Berlin/München - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betrachtet die Debatte über die Wirksamkeit des Astrazeneca-Impfstoffs mit Sorge. Angesichts der Vorbehalte gegen das Vakzin in Teilen der Bevölkerung sieht der CSU-Chef politischen Handlungsbedarf. Falls weiter zahlreiche Impfdosen liegen blieben, müsse man „die Priorisierung völlig neu überlegen, gerade für diesen Impfstoff Astrazeneca“, wird Söder vom Bayerischen Rundfunk (BR24) zitiert. Dies könne, so der Bericht weiter, auf eine ganz neue Verteilung des Astrazeneca-Vakzins hinauslaufen.    

Nach Ansicht Söders müsse die Politik nicht nur überlegen, wie mehr Impfstoff beschafft werden könne. Es müsse ebenso geklärt werden, „wie wir es auch schaffen, Impfstoff, der da ist, überhaupt zu verimpfen“. Zunächst sei es eine richtige Entscheidung gewesen, für Lehrer und Erzieher eine höhere Impfpriorität einzuführen, so Söder. Bayerns Staatsregierung wolle zudem mit Astrazeneca-Impfstoff Corona-Hotspots unterstützen, „um da mehr zu impfen“. Wenn das Interesse an Astrazeneca aber weiter verhalten bleibe, könnten Impfdosen womöglich sogar Arztpraxen zur Verfügung gestellt werden, um eine „schnelle Verimpfung“ zu gewährleisten.   

Söder: Jede Impfung schafft ein Stück mehr Freiheit

Jede Impfung schaffe, unabhängig vom Alter des Geimpften, ein Stück mehr Freiheit, sagte Söder dem BR24-Bericht zufolge. Überlegungen zu einer zeitnahen Änderung der Impfreihenfolge hatte der Ministerpräsident bereits in einem Online-Gespräch der Bild-Zeitung mit Kindern angestellt. „Es ist ja echt absurd, dass wir Impfstoff haben, den keiner will“, sagte er. „Das ist ziemlich ätzend, diese Geschichte mit Astrazeneca. Dieser Eindruck, dass der nicht wirksam sei, und dann liegt er rum.“

Auch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte Söder: „Sinnvoll wäre es dann, Astrazeneca gleich über die Ärzteschaft zu verimpfen. Denn wir sollten so rasch wie möglich alles verimpfen, was geht.“ Laut Robert-Koch-Institut (RKI) wurden bis Dienstag lediglich 239.000 Impfdosen des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca verabreicht. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministerium wurden aber bereits mehr als 1,4 Millionen Impfdosen an die Bundesländer ausgeliefert.