Kriegsverbrechen: Ukraine will Russland zum Terrorstaat erklären lassen

Russland habe mit der Tötung von Kriegsgefangenen in Oleniwka gegen internationales Recht verstoßen. Alle Verantwortlichen müssten zeitnah hart bestraft werden.

Ein Soldat steht Wache vor einem Gefängnis in Oleniwka. Russland und die Ukraine beschuldigen sich  gegenseitig, Kriegsgefangene getötet zu haben.
Ein Soldat steht Wache vor einem Gefängnis in Oleniwka. Russland und die Ukraine beschuldigen sich gegenseitig, Kriegsgefangene getötet zu haben.dpa/DL mbu pat

Nach dem mutmaßlichen Artillerieangriff auf ein Lager mit ukrainischen Kriegsgefangenen hat die Regierung in Kiew die internationale Gemeinschaft aufgefordert, Russland zu einem Terrorstaat zu erklären.

„Die Russen haben ein weiteres schreckliches Kriegsverbrechen verübt und das Gefängnis im besetzten Oleniwka beschossen, in dem sie ukrainische Kriegsgefangene halten“, schrieb Außenminister Dmytro Kuleba am Freitag im Kurznachrichtendienst Twitter. Alle Partnerstaaten sollten diesen „brutalen Verstoß gegen das internationale Recht“ hart verurteilen.

53 Ukrainer sterben: Russland beschuldigt die Ukraine

In Gefängnis bei Oleniwka in dem von Separatisten kontrollierten Teil des Donezker Gebiets waren russischen Angaben zufolge mindestens 53 Kriegsgefangene durch ukrainischen Beschuss getötet worden. Mehr als 100 Gefangene seien verletzt worden. Moskauer und örtlichen Angaben zufolge erfolgte der Angriff durch die ukrainische Armee mit Präzisionsraketenwerfern des Typs Himars.

Das russische Verteidigungsministerium nannte den Angriff auf das Gefängnis in Oleniwka eine „skandalöse Provokation“, die darauf abziele, den ukrainischen Soldaten Angst zu machen und sie davon abzuhalten, sich zu ergeben. Unter den Kriegsgefangenen waren nach Angaben Moskaus auch Kämpfer des Asow-Regiments, die im Mai nach erbitterten Gefechten um das Asow-Stahlwerk in der Hafenstadt Mariupol in russische Kriegsgefangenschaft geraten waren.

Ukraine: Die Tat wird als „Terrorakt von Oleniwka“ in die Geschichte eingehen

Kiew wies die Anschuldigungen zurück und warf wiederum der russischen Armee einen gezielten Beschuss der Baracke mit Angehörigen des umstrittenen Regiments Asow vor. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Der Chef des ukrainischen Präsidentenbüros, Andrij Jermak, schloss sich der Forderung nach einer harten internationalen Verurteilung des Angriffs an. „Das ist ein zynisches und hinterhältiges Verbrechen, das in die Geschichte unter der Bezeichnung ‚Terrorakt von Oleniwka‘ eingehen wird“, teilte Jermak bei Twitter mit. Den Russen sei es egal, wen sie töten. „Für sie ist der Mord wichtig und die ständige Lüge, um die Beweise zu verbergen“, meinte der 50-Jährige. Zudem forderte Jermak vom Westen Raketen mit 300 Kilometern Reichweite für bereits vorhandene Mehrfachraketenwerfer US-amerikanischen Typs.