Die Staatsanwaltschaft Bielefeld und das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen haben die sogenannte Krypto-Queen, Ruja Ignatova, zur Fahndung ausgeschrieben. Die Erfinderin der vermeintlichen Kryptowährung OneCoin soll weltweit Investoren veranlasst haben, in die tatsächlich wertlose Währung zu investieren. Ignatova steht zudem auf der Europe’s Most Wanted List der meistgesuchten Verbrecher von Europol. Zudem soll der Fahndungsaufruf am Mittwochabend in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ ausgestrahlt werden.

Laut BKA liegt der Betrugsschaden im „oberen, zweistelligen Millionenbereich“. Der weltweit verursachte Schaden soll mehrere Milliarden US-Dollar betragen. Der Aufenthaltsort von Ruja Ignatova ist seit dem 25. Oktober 2017 unbekannt. Nach Informationen des Spiegel war sie von Sofia aus nach Athen gereist. Seitdem ist Ignatova weder in Zusammenhang mit OneCoin noch anderweitig öffentlich aufgetreten.

OneCoin war nie echte Kryptowährung

Für Hinweise, die zu ihrer Ergreifung führen, haben die deutschen Behörden eine Belohnung von bis zu 5000 Euro ausgesetzt. Es sei wahrscheinlich, dass sie sich im Ausland aufhalte, womöglich bei Unterstützern – auch könne sie ihr Aussehen operativ verändert haben. Das BKA warnt: „Vorsicht! Die Gesuchte und etwaige Begleitpersonen könnten bewaffnet sein!“

Ignatova behauptete öffentlich, dass OneCoin allen anderen Kryptowährungen überlegen sei. Sie wolle ihre Kryptowährung zum „Marktführer“ machen. Der OneCoin-Kurs stieg den eigenen Darstellungen zufolge stetig von 50 Cent auf angeblich 29,95 Euro im Jahr 2019.

Tatsächlich war OneCoin nach Informationen des Spiegel nie eine echte Kryptowährung mit einer unabhängigen Preisbildung. Das System soll eher einem Netzwerkmarketing geglichen haben: Wer gutgläubigen Interessenten ein Schulungspaket verkaufte, erhielt eine Provision. Wenn der Interessent weitere Kunden warb, kassierte man mit Prozenten weiter.

Ignatova wurde bereits Anfang 2019 von den US-Behörden in Abwesenheit wegen Telekommunikationsbetrugs, Wertpapierbetrugs und Geldwäsche verurteilt. Ihr Bruder Konstantin, der die Geschäfte nach ihrem Verschwinden übernommen hatte, wurde bei einem Einreiseversuch direkt auf dem Flughafen von Los Angeles in Gewahrsam genommen.