Der ehemalige Linken-Chef Oskar Lafontaine hat die USA und die Nato für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mitverantwortlich gemacht. Sicherheitsinteressen Russlands seien konsequent ignoriert worden, sagte Lafontaine der Zeitung Junge Welt in einem am Freitag vorab veröffentlichten Interview.

„Schon seit Langem befinden wir uns in einer Phase, in der Russland und China militärisch von den USA eingekreist werden“, sagte Lafontaine der Zeitung. „Seit 20 Jahren weist Moskau darauf hin, dass die Ukraine nicht in die Nato aufgenommen werden darf. Das heißt, dass keine US-Raketen an der ukrainisch-russischen Grenze aufgestellt werden dürfen. Diese Sicherheitsinteressen wurden konsequent ignoriert. Das ist einer der entscheidenden Gründe für den Ausbruch des Ukraine-Kriegs.“

Russland war nach einem monatelangen Truppenaufmarsch am 24. Februar in die Ukraine einmarschiert. Das angegriffene Land ist nicht Mitglied der Nato, dort sind auch keine Nato-Raketen stationiert.

Lafontaine wirft Biden „beginnenden Zermürbungskrieg“ vor

Zum russischen Angriff auf die Ukraine sagte Lafontaine: „Diesen Krieg verurteile ich, genauso wie ich ohne jede Einschränkung alle anderen völkerrechtswidrigen Kriege verurteile.“ Doch warf er US-Präsident Joe Biden zugleich einen „beginnenden Zermürbungskrieg“ durch Milliardenhilfen an die Ukraine vor. Die USA wollten keinen Frieden, sondern eine Schwächung ihres Rivalen Russland.

Lafontaine, der selbst in der Vergangenheit zeitweise SPD-Chef war, bezeichnete die Bundesregierung unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) als „getreuen Vasallen der USA“, die Grünen als „Kriegstreiber“. Teilen seiner früheren Partei Die Linke warf er vor, auf einen ähnlichen Kurs zu steuern wie SPD und Grüne. Lafontaine war nach seinem SPD-Austritt Mitgründer der Linken, verließ aber auch diese Partei im Frühjahr aus Protest.