Leerstand in teilweise unsanierten Gebäuden in Bernburg in Sachsen-Anhalt (Archivbild)
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LeipzigDie ostdeutschen Städte haben von Bund und Ländern eine wirksame Städtebauförderung gefordert. Die durch die Folgen von Onlineshopping bereits schwierige Lage in vielen ostdeutschen Zentren habe sich coronabedingt nochmals verschärft, teilte der Deutsche Städtetag nach einer Oberbürgermeister-Konferenz der ostdeutschen Städte mit. Diese findet zweimal im Jahr statt.

Der Leipziger Oberbürgermeister und Städtetag-Präsident Burkhard Jung (SPD) riet, andere Aspekte als ausschließlich den Einzelhandel in den Mittelpunkt zu rücken. „Städte sollten auf eine lebenswerte, grüne und autoarme Innenstadt setzen, die dem Zusammenkommen und der Kultur Raum bietet“, so Jung. Nur wenn auf dem Marktplatz etwas los sei, würden Menschen angezogen.

Ansatzpunkte sieht Jung darin, in den Innenstädten wieder stärker auch auf Wohnen, Handwerk, Produktion, Bildung, Kultur und Kommunikation als prägende Elemente zu setzen. Er forderte eine deutlich höhere Unterstützung als die derzeit vorgesehenen 790 Millionen Euro von Bund und Ländern. Der Neubrandenburger Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) sagte: „Die Interessen der Menschen beim Einkaufserlebnis verändern sich. Es braucht Ideen und Innovationen, um die Kundschaft anzuziehen.“ Die Stadt habe sich in den vergangenen Jahren mit neuen Unternehmen und Angeboten stets weiterentwickelt, so der Politiker.

Zudem befürchten die ostdeutschen Städte, dass sie wegen der Corona-Krise bei ihren Investitionen in den kommenden Jahren deutlich kürzen müssen. Sie fordern deshalb von Bund und Ländern zusätzliche Hilfen. Für 2021 und 2022 werden bundesweit 8,9 bzw. 9,7 Milliarden Euro weniger prognostiziert als ursprünglich angenommen. „Die Investitionen der Kommunen sind unverzichtbar, wenn der Wirtschaftsaufschwung aus der Krise führen soll“, sagte Jung. Die Hälfte der öffentlichen Sachinvestitionen seien Aufträge der Kommunen, jetzt stünden viele Projekte auf der Kippe.