Berlin -  Das Versandhaus Otto gendert – mit Sternchen. In einem Tweet schreibt Otto: „Immer mehr Kolleg*innen arbeiten wieder im Büro – aber eben nicht alle.“ Das sorgt bei einigen Kunden für Empörung. So sehr, dass sie künftig dort nichts mehr bestellen wollen. Ein Blick in die Kommentarspalten unter dem Post: Ein gewisser Roger kündigt an, Otto wegen des Gendern zu boykottieren: „Wer gendert kriegt keine Bestellung. So einfach ist das und Amazon freut sich“, schreibt er. Ihm fliegen die Herzen zu: 2.200 Twitter-Usern gefällt das. Otto, Europas größter Onlinehändler für Mode, reagiert gelassen.

Trumpf für Otto: Der Konter-Kommentar erntet 2300 Likes. Auch der Verein Deutsche Sprache (VDS) mischt sich in die Diskussion ein: Otto solle doch wenigstens so ehrlich sein und schreiben, dass sie gendern, weil sie woke sein wollen und dafür Menschen ausschließen, die auf leichte Sprache angewiesen sind. Wie etwa Migranten, Blinde und Seebehinderte. 

Poetische Ergüsse bei Twitter 

Die Twitter-Community ist gespalten. Eine Userin, die den ganzen Wirbel offenbar übertrieben findet, wird zu poetischen Ergüssen angeregt: „Wutbürger*innen, es ist geschehen: Otto gendert, könnt ihr's sehn? Da twittern sie schon voller Groll, was das mit dem Sternchen soll? Beschimpfen wild den Mitarbeiter, hetzen online immer weiter. Der Pöbel ist sauer, wie noch nie, bestellt jetzt nur noch bei Bonprix!“

Auch für Ex-AfD-Chef Jörg Meuthen ist der Otto-Tweet ein gefundenes Fressen. Er nimmt ihn zum Anlass, um sich gegen seinen (imaginären) Intimfeind zu erheben, der zu „moralinsaurer linksgrüner Volkserziehung“ neige. Otto habe völlig recht, schreibt Meuthen. Wer Gender-Sprech ablehnt, müsse tatsächlich nicht bei diesem Unternehmen bestellen. Er habe „genug Alternativen“.