Paris/Brüssel/PragErstmals seit dem Frühjahr geht Frankreich in einen landesweiten Lockdown. Er beginnt an diesem Freitag und gilt vorerst bis zum 1. Dezember, wie Präsident Emmanuel Macron am Mittwochabend in einer Fernsehansprache ankündigte. Anders als im Frühjahr sollen die Schulen unter strengen Hygiene-Auflagen offen bleiben. Restaurants, Bars und die meisten Geschäfte hingegen müssen schließen. Die Bürger sollen ihre Häuser nur noch aus zwingenden Gründen verlassen.

Macron sagte, die massiv gestiegenen Infektionszahlen machten ein „brutales Bremsmanöver“ unausweichlich. Zuletzt hatte Frankreich einen Höchststand von täglich mehr als 50.000 Neuinfektionen verzeichnet. Der wissenschaftliche Corona-Beirat der Regierung geht davon aus, dass es tatsächlich 100.000 Neuinfektionen täglich gibt, von denen aber viele unerkannt bleiben. Der Staatschef betonte, Frankreich sei wie die meisten Nachbarstaaten von der zweiten Corona-Welle regelrecht „überschwemmt worden“.

Belgien hat höchste Ansteckungsrate in der EU

In Belgien gelten ab Freitag wegen der Corona-Pandemie wieder landesweit weitgehende Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Angesichts rasant steigender Ansteckungszahlen im Norden des Landes beschloss auch die flämische Regionalregierung am Dienstagabend ähnlich strenge Regeln, wie sie in der Hauptstadt Brüssel und der französischsprachigen Wallonie bereits in Kraft sind. Kultur- und Sportveranstaltungen müssen demnach abgesagt werden, die Universitäten stellen auf Online-Kurse um und nachts gilt eine Ausgangssperre.

Flandern hatte vergangene Woche noch unter Verweis auf die vermeintlich bessere Lage in den flämischen Provinzen strengere Maßnahmen auf nationaler Ebene blockiert. Mittlerweile steigen die Fallzahlen dort aber besonders stark.

Nach aktuellen Angaben der EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde ECDC liegt Belgien inzwischen bei den Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner EU-weit an erster Stelle. Demnach verzeichnete das Land in den vergangenen zwei Wochen 1391 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner und damit knapp mehr als Tschechien, das bis Dienstag die Statistik anführte. 

In Tschechien gilt seit Mittwoch angesichts dramatisch steigender Corona-Infektionszahlen eine nächtliche Ausgangssperre: Zwischen 21 Uhr und 4.59 Uhr dürfen die Menschen ihre Häuser künftig nicht mehr verlassen. Tschechiens Präsident Milos Zeman will sich in einer Fernsehansprache am Mittwoch, dem tschechischen Nationalfeiertag, an die Bürger wenden.