Lauterbach: Länder sollten Maskenpflicht einführen 

Die Corona-Inzidenzen steigen. Für Karl Lauterbach steht fest: Es braucht wieder Masken im Innenraum.

12.10.2022, Berlin: Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, nimmt an der Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt teil
12.10.2022, Berlin: Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, nimmt an der Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt teildpa/Kay Nietfeld

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Länder aufgerufen, im Kampf gegen eine wachsende Corona-Infektionswelle perspektivisch zur Maskenpflicht in Innenräumen zurückzukehren. Was jetzt noch passieren müsse, sei, dass die Länder diese Möglichkeit im Infektionsschutzgesetz nutzten, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“. „Wenn die Länder sich jetzt einigen könnten, wann der optimale Zeitpunkt ist, wäre das natürlich toll.“

Der Bund könne die Länder nicht zwingen. Lauterbach gab aber zu bedenken: „Die Welle, die sich aufbaut, die wird ja nicht alleine enden. Da muss man reagieren.“ Es gebe schon jetzt eine hohe Fallzahl mit einer hohen Dunkelziffer, einige Kliniken seien an der Belastungsgrenze. „Und leider steigt auch die Sterblichkeit.“ Insgesamt sei man aber gut vorbereitet. Es gebe angepasste Impfstoffe, „viel bessere Daten“ und Arzneimittel, die die Sterblichkeit senkten.

Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstagmorgen mit 793,8 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner an. Experten gehen aber von einer hohen Zahl nicht erfasster Fälle aus – vor allem weil viele Infizierten keinen PCR-Test mehr machen lassen und daher nicht erfasst werden.

Lauterbach reagierte auch auf die Kritik des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD), keine Rechtsgrundlage für eine Absage des Oktoberfestes gehabt zu haben. In der Tat habe es die nicht gegeben, räumte er ein. Es sei aber „dem Hausrecht folgend“ jederzeit möglich gewesen, dass der Veranstalter die Gäste gebeten oder verpflichtet hätte, für die Innenräume Corona-Tests zu machen. Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz sei bei hohen Fallzahlen sogar eine Maskenpflicht für Außenveranstaltungen möglich.

Reiter hatte hingegen auch gesagt: „Herr Lauterbach hat auf meine explizite Nachfrage im April, ob es Zugangsbeschränkungen geben könnte, geantwortet, dass es dazu keine rechtlichen Möglichkeiten gibt und auch für Herbst keine zu erwarten sind.“ Damit sei es nicht möglich gewesen, wie von Reiter nach eigenen Worten präferiert, nur frisch Getestete auf das Festgelände zu lassen.

Bonner Virologe Hendrik Streeck: „Maskenpflicht ist kein Allheilmittel“

Auch der Ärzteverband Marburger Bund rät, auf die hohen Inzidenzen mit FFP-2-Masken zu reagieren. Die Vorsitzende des Bundes, Susanne Johna, drängt die Bundesländer zum Handeln bei steigenden Corona-Zahlen. „Überall dort, wo die Inzidenzen jetzt durch die Decke gehen, müssen die Länder mit einer FFP2-Maskenpflicht im ÖPNV und in öffentlich zugänglichen Innenräumen reagieren“, sagte Johna den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Länder müssten „auf der Basis eines verlässlichen Echtzeit-Monitorings entscheiden, wie das Infektionsgeschehen besser eingedämmt werden kann, um die Krankenhäuser nicht zu überlasten“.

Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb äußerte sich ähnlich: „Die Empfehlung oder die Pflicht zum Tragen von Masken werden wir in wenigen Wochen wieder brauchen“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Abstandsregeln bei großen Veranstaltungen, in Theatern und Kinos, benötigen wir bald wieder zurück.“ Das persönliche Verhalten müsse im Winter wieder stärker auf Corona ausgerichtet werden. „Wir brauchen wieder eine höhere Impfbereitschaft und eine größere Vorsicht.“

Es sei zwar gut, dass Corona in der Öffentlichkeit nicht mehr die Dramatik wie noch vor ein oder zwei Jahren einnehme, da heute viele Menschen geimpft seien. „Aber es ist falsch, dass Corona jetzt fast gänzlich aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden ist - das muss sich schnell ändern“, so Zeeb.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck warnte allerdings, „zu glauben, dass eine Maskenpflicht jetzt ein Allheilmittel ist, dass wir dadurch wieder eine bessere Bekämpfung der Infektionszahlen haben“. Das sei wahrscheinlich nicht der Fall, sagte er in der Sendung „RTL Direkt“ am Mittwochabend.

Streeck sagte, es gebe jeden Herbst und Winter immer eine extreme Belastung in den Krankenhäusern. „Das ist einfach die Husten-, Schnupfenwelle, das sind die Erkältungskrankheiten, die da wieder kommen.“ Man müsse natürlich genau auf die Krankenhäuser hören und schauen, was machbar sei.