Die von Frauen getragene Reformbewegung Maria 2.0 hält das Eingeständnis einer Falschaussage vom emeritierten Papst Benedikt XVI. für das Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum München und Freising für unzureichend. „Ihm blieb nichts anderes übrig“, sagt die Initiatorin der Bewegung, Lisa Kötter, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagsausgaben). „Nun stürzt das ganze Lügengebäude des alten Mannes zusammen“. Sie kritisierte, dass Benedikt „sofort den Sündenbock gefunden“ habe – „die redaktionelle Bearbeitung seiner Stellungnahme“. Inzwischen hätten die Leute jedoch „immer mehr die Angst verloren“, ihn zu kritisieren.

Der emeritierte Papst hatte am Montag eingeräumt, bei seiner Stellungnahme für das Missbrauchsgutachten des Erzbistums München und Freising an einer wichtigen Stelle eine falsche Aussage gemacht zu haben. Laut einem schriftlichen Statement seines Privatsekretärs Georg Gänswein, das unter anderem das Portal Vatican News und die Tagespost Stiftung veröffentlichten, sprach der emeritierte Pontifex von einem „Fehler“ und einem „Versehen bei der redaktionellen Bearbeitung“ seiner Stellungnahme.

Dass die Angst vor offener Papst-Kritik verloren gehe, zeigte auch das Outing von 125 queeren kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sagte Kötter. Diese fordern eine Reform des kirchlichen Arbeitsrechts, damit schwule oder lesbische Lebensgemeinschaften nicht mehr zu Abmahnungen oder sogar Kündigungen führen können. Kötter unterstützte dies: „Keine andere Firma guckt unter die Bettdecke oder Unterhose“, sagte sie. Es sei wunderbar, dass die Angst vorbei sei. Die Leute, die ihr Coming-out hatten, „merken nun, dass sie die Öffentlichkeit schützt“.

Der aus dem Englischen stammende Begriff „queer“ bezeichnet all jene sexuellen oder geschlechtlichen Identitäten, die von der heterosexuellen Mehrheit abweichen. Darunter fallen etwa homo-, trans- oder intersexuelle Menschen. Der Begriff hat damit ein deutlich weiteres Bedeutungsfeld als ältere Begriffe wie etwa „schwul“ oder „lesbisch“.