Paris: Mehr als 100.000 Menschen protestieren gegen hohe Preise

Demonstranten aus ganz Frankreich folgten dem Aufruf linker Organisationen. Die Polizei hatte mit weitaus weniger Resonanz gerechnet. 

Zahlreiche Demonstranten ziehen durch die Innenstadt von Paris. 
Zahlreiche Demonstranten ziehen durch die Innenstadt von Paris. AFP/Julien de Rosa

Zehntausende Menschen haben am Sonntag in Paris gegen hohe Preise und „Klima-Passivität“ demonstriert. Nach Angaben der Organisatoren gingen 140.000 Menschen in der französischen Hauptstadt auf die Straße. Linke Parteien, Organisationen und einige Gewerkschaften hatten zu der Protestaktion aufgerufen. Der ehemalige linkspopulistische Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon marschierte - mit erhobener Faust - neben der designierten Nobelpreisträgerin Annie Ernaux. 

Neben Ernaux hatten etwa 60 bekannte Kulturschaffende zu der Demonstration aufgerufen. Rund hundert Busse aus ganz Frankreich brachten Teilnehmer nach Paris. Die Demonstration sollte von der Place de la Nation zur Bastille führen. Die Polizei hatte mit 30.000 Demonstranten gerechnet, darunter auch Unruhestifter. Es kam vereinzelt zu Ausschreitungen und Sachbeschädigungen. Der von nur 2000 Polizisten gesicherte Protestmarsch sollte nicht nur eine Machtdemonstration gegen Macron sein, sondern auch die Einigkeit der Linken gegen die Regierung demonstrieren.

In Frankreich werden Benzin und Diesel knapp

Clémence Guetté, Abgeordnete der linkspopulistischen Partei La France Insoumise (LFI), freute sich über die „Demonstration der Stärke“ und sagte: „Da erwacht etwas und das ist ein sehr gutes Zeichen“. Auf einem Transparent, das in der Nähe des Place de la Nation hochgehalten wurde, war zu lesen: „Soziale Hitzewelle, das Volk dürstet nach Gerechtigkeit“. Ein anderes Schild warnte: „Die Rente ist gut, die Offensive ist besser“.

Die Stimmung ist in Frankreich seit Tagen stark angespannt. Wegen eines seit über zwei Wochen anhaltenden Streiks für mehr Lohn von Raffinerie-Personal gibt es an etwa einem Viertel der Tankstellen im Land Spritmangel. An manchen Tankstellen wurde der Kraftstoff zu 3 Euro pro Liter verkauft. Im Elysée-Palast macht sich deshalb die Sorge breit, dass die Situation wieder ähnliche Proteste entzünden könne wie die der Gelbwesten 2018 und 2019. Damals war die Erhöhung von Steuern auf Kraftstoff der Auslöser für umfangreiche Sozialproteste gewesen.

Es gibt auch Kritik an der Demonstration

Nicht alle Gewerkschaften unterstützen die Demonstration der linken Parteien. CGT-Generalsekretär kritisierte eine „Parallelaktion“ zu den gewerkschaftlich organisierten Protesten. Er halte nichts von einer nationalen Demonstration in Paris, seine Gewerkschaft bevorzuge örtliche Proteste, betonte er. Die Demonstrierenden forderten unter anderem die Rente mit 60, eine Erhöhung der Gehälter, eine Preisbremse, die Besteuerung von Übergewinnen und mehr Gewicht für den Umweltschutz.

Bei der Vorbereitung der Demonstration zeigten sich einmal mehr Risse im links-grünen Bündnis. Der ehemalige grüne Präsidentschaftskandidat Yannick Jadot lehnte eine Teilnahme ab, ebenso wie der Parteichef der Kommunisten, Fabien Roussel.