Paris - Die Attentäter der islamistischen Anschlagserie in Paris 2015 haben sich während des Blutbads im Konzertsaal „Bataclan“ vor ihren Opfern gerechtfertigt. „Warum wir das machen? Ihr bombardiert unsere Brüder in Syrien und im Irak und wir sind hierhin gekommen, um dasselbe zu tun“, habe einer der drei Angreifer gerufen, sagte ein Kriminalbeamter im Prozess um die Anschläge am Freitag im Pariser Justizpalast. Die Polizei wertete eine Tonaufnahme aus, auf der die komplette Attacke bis zum Eingreifen der Einsatzkräfte zu hören ist.

Bei der Anschlagsserie am 13. November 2015 hatten Extremisten insgesamt 130 Menschen getötet und 350 weitere verletzt. Sie richteten ein Massaker im Konzertsaal „Bataclan“ an und beschossen Bars und Restaurants. Außerdem sprengten sich drei Selbstmordattentäter während eines Fußball-Länderspiels zwischen Deutschland und Frankreich am Stade de France in die Luft. In dem Prozess sind 20 Verdächtige angeklagt. Der Mehrheit der Angeklagten drohen 20 oder mehr Jahre Haft.

Amerikaner und Franzosen töteten in muslimischen Ländern Frauen und Kinder, riefen die Terroristen ihren teils bereits toten und verletzten Opfern entgegen. „Jetzt ist die Stunde der Vergeltung.“ Die ersten 22 Sekunden der Tonaufzeichnung wurden auch im Gerichtssaal abgespielt. Zunächst ist die Musik des laufenden Konzerts zu hören, dann fallen immer wieder Schüsse und nach einigen schrägen letzten Tönen bricht die Musik ab.

Viele entstellte Opfer waren auf den ersten Blick unerkennbar gewesen

Der erfahrene Ermittler beschrieb das Szenario, das die Polizei im „Bataclan“ vorfand, als „Kriegsszene“. „Das haben wir noch nie gesehen“, meinte er. „Geklumptes Blut, zersplitterte Zähne, vibrierende Handys, Tote, Tote, Tote.“ Die Angreifer, von denen sich zwei in die Luft sprengten, seien wie etliche der Opfer auf den ersten Blick kaum zu identifizieren gewesen. „Ich möchte, dass Sie alle begreifen, was es heißt, mit einem Kaliber 7,62 zu schießen, da haben sie nicht nur eine Eintritts- und eine Austrittsstelle.“ Die aus kurzem Abstand erschossenen Opfer seien unerkennbar gewesen.