Berlin - Nächtliche Partys, Müll, Schlägereien, Angriffe auf Polizisten: Der James-Simon-Park in Berlin-Mitte verkommt immer mehr zu einem Schandfleck. Nachdem es am vergangenen Wochenende erneut zu ausufernder Gewalt in der Grünanlage gekommen war, fordert Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) nun Öffnungszeiten für bestimmte Parks und ein Alkoholverbot.

„Berlin sollte ein Betretungsverbot für einschlägige Grünanlagen ab spätestens 24 Uhr aussprechen und das sehr wirksame Verbot des Außerhausverkaufs von Alkohol ab 23 Uhr wieder einführen“, ließ von Dassel am Sonntag über seinen Twitter-Kanal verlauten. Mit diesen Maßnahmen sollen Massenansammlungen und „Randale-Voyeurismus“ im Vorfeld unterbunden werden. Der Grünen-Politiker hatte bereits im vergangenen Jahr ein konsequenteres Eingreifen der Polizei und strenge Verbote vonseiten der Politik gefordert.

In der Nacht zuvor waren nach Auseinandersetzungen unter Parkbesuchern erneut Polizisten angegriffen worden. Im James-Simon-Park und im angrenzenden Monbijoupark hatten etwa 2500 Jugendliche trotz Corona-Maßnahmen Partys gefeiert. Als nach mehreren Körperverletzungen, darunter ein Messerangriff auf zwei Heranwachsende, alarmierte Polizisten in den Parks eintrafen, seien sie mit Flaschen und Steinen beworfen worden. 19 Polizistinnen und Polizisten wurden nach Angaben der Polizei verletzt.

Von Dassels Forderung von Verboten stieß umgehend auf Kritik. Der Vorsitzende der SPD Berlin-Mitte, Yannick Haan, teilte der Berliner Zeitung mit: „Wir als SPD Mitte setzen uns klar gegen Parkschließungen oder Betretungsverbote ein. Das ist vor allem Symbolpolitik. Viel wichtiger wäre es legale Angebote zu schaffen.“ 

Die SPD in Mitte wolle die kulturelle Nutzung im Bezirk fördern statt sie verbieten. Als Beispiel nannte Haan das Strandbad, wo die Veranstaltung am Sonntag verboten wurde - und es jetzt Klagen gebe. „Dann setzen wir uns für Grillen im Volkspark ein. Hier macht das grüne Bezirksamt leider gar nichts. Und last but not least geht es noch um die Nutzung des leerstehenden Parkcafes“, erklärte Haan. Dort wolle die SPD, dass die Bewerber für den Betrieb des Gebäudes von einem Bürgerrat bewertet werden. 

Am Ende geht es bei allen Fragen darum, wem – gerade auch nach der Pandemie – der öffentliche Raum gehört und von wem er genutzt werden kann, so Haan. 

Party zu Corona-Zeiten: Junge Menschen in Berlin brauchen Angebote

Der Landesvorsitzende der Berliner CDU, Kai Wegner, sprach im Zusammenhang mit der Gewalt in den Parks in Berlin-Mitte von b„ürgerkriegsähnlichen Zuständen“, die sich wöchentlich wiederholen würden. Er forderte Innensenator Andreas Geisel (SDP) auf, in den betroffenen Parks die Polizeipräsenz massiv zu erhöhen. Außerdem müssten die jungen Menschen Angebote in der Stadt erhalten, bei denen sie ganz legal mit Hygiene- und Sicherheitskonzept feiern könnten.

Der Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro, zeigte sich entsetzt über die „erneute Gewaltwelle“ in den Parks. Aber noch entsetzlicher sei es laut Jendro, mit welcher Gleichgültigkeit der Senat und die zuständigen Bezirke die Problematik seit mehr als einem Jahr aussäßen.