Vielen ist das vermutlich nicht bewusst: Bereits gebuchte Pauschalreisen können unter Umständen nachträglich teurer werden. Was müssen Urlauber dazu wissen?

Rechtsanwalt Hans-Josef Vogel aus Düsseldorf sagt: „Eine einseitige Anpassung ist bei acht Prozent gedeckelt.“ Das bedeutet: Möchte der Veranstalter die Preise um mehr als acht Prozent erhöhen, kann der Kunde die Mehrkosten bezahlen, muss es aber nicht.

Und auch für eine einseitige Anpassung des Veranstalters bis acht Prozent des Preises gibt es Vorgaben, aber dazu unten mehr.

Nachträgliche Preiserhöhungen bei Reisen: Was die Branche sagt

Aber machen Reiseanbieter, etwa angesichts steigender Spritkosten, davon Gebrauch? Eine Umfrage des Fachportals Reisevor9 von Anfang Mai unter Reedereien ergab: Die wenigsten Kreuzfahrtanbieter planten Treibstoffzuschläge. Der Anlass jener Umfrage war die Ankündigung des Anbieters Plantours, der Zuschläge für schon gebuchte Reisen erhebt und das unter anderem mit höheren Treibstoffkosten begründet.

Das ist aber noch eher die Ausnahme, wie Kerstin Heinen vom Deutschen Reiseverband (DRV) bestätigt. Die Preise für Pauschalreisen – egal, ob dabei mit Flugzeug, Schiff oder Bus gereist wird – zeigen sich ihrer Ansicht nach stabil.

Preiserhöhungen sind nicht so einfach möglich

So einfach sei es auch gar nicht möglich, die Preise zu ändern, sagt Rechtsanwalt Hans-Josef Vogel. „Der Veranstalter darf nur Preise erhöhen, wenn er sich dies ausdrücklich vorbehält.“

Entsprechende Formulierungen finden Urlauber in den Geschäftsbedingungen (AGB). Wer sichergehen möchte, ob der Veranstalter die Preise anziehen darf, kommt also nicht drumherum, das Kleingedruckte zu lesen.

Genauso beinhalten solche Klauseln auch, dass die Preise umgekehrt sinken müssen. Etwa wenn sich Wechselkurse zwischen Vertragsschluss und Reisebeginn geändert haben und auf den Reiseveranstalter weniger Kosten zukommen. Daher verzichten die meisten Anbieter laut DRV-Sprecherin Heinen auf Preisänderungen. Angesichts der komplexen Berechnung lohne sich der bürokratische Aufwand nicht.

Gründe für Preiserhöhung sind festgelegt

Entscheidet der Veranstalter, die Preise an die Kunden weiterzugeben, müssen bestimmte Gründe vorliegen: Dazu zählen etwa gestiegene Treibstoff- oder Energiekosten, weshalb die Beförderung teurer wird.

Eine Preiserhöhung der gebuchten Reise muss der Veranstalter seinen Kunden in schriftlicher Form spätestens 20 Tage vor Beginn der Reise mitteilen. Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum legt Kunden daher nahe, diese Frist gut im Auge zu behalten.

Kommt die Erhöhung des Reisepreises um bis zu acht Prozent weniger als 20 Tage vor Abreisedatum, müssen Urlauber diesen Aufschlag nicht hinnehmen. Sie können die Zahlung dann unter Hinweis auf die Gesetzeslage verweigern, so die Verbraucherzentralen.

Frist für Preiserhöhung gilt für beide Seiten

Während fristgerechte Preiserhöhungen bis acht Prozent bei entsprechend wirksamen Preisänderungsklauseln in den AGB hingenommen werden müssen, sieht es bei Aufschlägen, die über diese Schwelle hinausgehen, anders aus.

Veranstalter könnten laut Karolina Wojtal in dem Fall von ihrem Kunden zwar „verlangen, dass dieser innerhalb einer angemessenen Frist das Angebot zu Preiserhöhung annimmt“. Dabei handle es sich um eine Interessensabwägung zwischen Kunde und Veranstalter. Schließlich wolle der Veranstalter bei einem Rücktritt des Kunden die Reise neu verkaufen. Aber den Kunden bleibt die Wahl.

Sie müssen sich also entscheiden: Innerhalb der vom Veranstalter gesetzten Frist können sie entweder eine gleichwertige Ersatzreise zum bisherigen Preis fordern oder den gebuchten Urlaub kostenfrei stornieren. Wer als Urlauber das Schreiben indes ganz ignoriert, akzeptiert stillschweigend die Preissteigerung.