Das Paul-Ehrlich-Institut hat untersucht, was Antikörpernachweise nach einer Coronainfektion aussagen können. Je nachdem, welcher Test verwendet wurde, unterscheidet sich nach Angaben der Forscher die Dauer der Nachweisbarkeit von Antikörpern. In der Mitteilung heißt es etwa zu Gesamtantikörpertests: „Antikörper konnten dabei über mehr als 430 Tage nach der Infektion nachgewiesen werden, ohne dass ein Endpunkt absehbar war.“ Die gemeinsame Studie des Paul-Ehrlich-Instituts und des Universitätsklinikums Frankfurt liefert dem PEI zufolge „wichtige Erkenntnisse“.

Laut PEI können „Antikörpertests auf SARS-CoV-2 Personen identifizieren, die einige Zeit zuvor mit SARS-CoV-2 infiziert waren und so dazu beitragen, das Ausmaß der SARS-CoV-2-Infektionen in der Bevölkerung zu erkennen und die Dunkelziffer nicht erkannter Infektionen abzuschätzen.“ Allerdings sei „die Interpretation von SARS-CoV-2-Antikörpertestergebnissen“ schwierig, da „zum einen die Testergebnisse von Person zu Person sehr unterschiedlich ausfallen können. Zudem variieren die SARS-CoV-2-Antikörpertestergebnisse auch methodisch stark“. Unklar sei bisher, wie lange nach einer Infektion spezifische Antikörper noch nachweisbar sind. In der Mitteilung des PEI heißt es weiter: „Daher erfordert der Einsatz von Antikörpertests gegen SARS-CoV-2 ein eingehendes Verständnis der Variabilitäten der Testsensitivität sowie der Zeitabhängigkeit und Dauer des Antikörpernachweises. Dies war der Gegenstand der vorliegenden Untersuchung.“

Gemeinsam mit der Universität Frankfurt am Main untersuchten die Forscher die Langzeit-Antikörperreaktion nach SARS-CoV-2-Infektion bei 828 Personen mit verschiedenen COVID-19-Schweregraden. Das PEI: „Gemessen wurden bindende Antikörper gegen unterschiedliche SARS-CoV-2-Zielantigene, neutralisierende Antikörper und die Stärke der Antikörperbindung (Antikörperavidität). Sensitivität, Kinetik und Dauer des Antikörpernachweises waren abhängig von detektierter Antikörperklasse, Testdesign, Zielantigen des Anti-SARS-CoV-2-Antikörpertests sowie von Antikörperavidität und COVID-19-Schweregrad.“

Wie lang ist die Dauer eines möglichen Immunschutzes gegen SARS-CoV-2?

Je nach Testdesign, dem Zielantigen der Tests, der Antikörperbindungsstärke und dem Schweregrad zeigte sich laut PEI bei der Sensitivität und Nachweisdauer ein gewisses Muster. „Ein charakteristisches Merkmal bei den meisten Patientinnen und Patienten war eine mit der Zeit zunehmende Antikörperbindungsstärke (Antikörperavidität) für die immunogenen Sars-CoV-2-Antigene RBD und Spikeprotein“, erläutert das PEI. Dabei sei die „Avidität ein Korrelat (Maß) für die Antikörperreifung und die Bildung eines Immungedächtnisses“.

So unterscheiden sich die Antikörper-Tests:

  • Gesamtantikörpertests: Wegen ihres Testdesigns können diese Tests eine höhere Antikörperbindungsstärke messen. Tests, die „auf RBD (Reueptorbindungsdomäne) oder Spikeprotein basieren, zeigten daher mit zunehmender Antikörperavidität eine hohe Sensitivität und lange Nachweiszeit. Antikörper konnten dabei über mehr als 430 Tage nach der Infektion nachgewiesen werden, ohne dass ein Endpunkt absehbar war“.
  • Surrogat-Virusneutralisierungstests: Wurden neutralisierende Antikörper mit Surrogat-Virusneutralisierungstests bestimmt, zeigte sich den Angaben zufolge ebenfalls eine lange Nachweisdauer neutralisierender Antikörper von über 430 Tagen. Surrogat-Virusneutralisierungstests hemmen die Bindung von RBD an die ACE2-Rezeptoren.
  • RBD- oder Spike-basierte Antikörpertests: Diese Tests weisen lediglich die einzelnen Antikörperklassen (IgG, IgA und IgM) nach. Hier konnte eine geringere Ausgangssensitivität sowie ein mit der Zeit abnehmender Antikörpertiter festgestellt werden, „obwohl IgG- und IgA-Tests bis 430 Tage eine relativ hohe Sensitivität (Testpositivität) beibehielten“, erläutert das PEI.
  • Nukleoprotein-basierte Tests: Hier, so die Forscher, konnte ein „Abfall der Antikörperspiegel bereits nach 120 Tagen“ gezeigt werden. Laut PEI führte dies bei den N-basierten IgG- und IgM-Tests auch zu einem Verlust der Sensitivität. Es habe sich gezeigt, dass dieser Effekt „mit einer entsprechenden Abnahme der Avidität für das nicht immunogene Nukleoprotein zusammenhing“.

Die neu gewonnenen Daten können nach Angaben der Forscher „einen Beitrag dazu leisten, die Antikörpertests gezielter einzusetzen und SARS-CoV-2-Antikörperbefunde in der täglichen diagnostischen Arbeit richtig zu interpretieren“. Zudem können sie „helfen, die Dauer eines möglichen Immunschutzes gegen SARS-CoV-2 zu bestimmen“.