Russland hat nach US-Angaben inzwischen rund zwei Drittel seiner gegen die ukrainische Hauptstadt Kiew eingesetzten Soldaten aus der Region abgezogen. Die Truppen würden sich im Nachbarland Belarus sammeln und sollten vermutlich später in andere Regionen in der Ukraine geschickt werden, um dort zu kämpfen, sagte ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums am Montag. Rund um Kiew befänden sich noch etwa ein Drittel der ursprünglich dort eingesetzten russischen Soldaten.

Russland hatte nach Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar offenbar gehofft, Kiew schnell einnehmen zu können. Die russischen Streitkräfte stießen aber auf erbitterten ukrainischen Widerstand. Inzwischen scheint sich Russland mehr auf den Osten der Ukraine konzentrieren zu wollen, einschließlich der Separatistenregion Donbass.

Der US-Verteidigungsvertreter sagte am Montag, bislang seien keine Verlegungen der aus der Region um Kiew abgezogenen russischen Soldaten Richtung Donbass zu beobachten. Russland dürfte im Donbass aber trotzdem „aggressiver“ werden.

Im Ukraine-Krieg sorgten zuletzt Gräueltaten im Kiewer Vorort Butscha für Entsetzen. Die Ukraine beschuldigt die russische Armee, in Butscha ein „Massaker“ an Zivilisten verübt zu haben. AFP-Reporter sahen am Wochenende auf einer Straße des Ortes mindestens 22 Leichen in ziviler Kleidung. Butscha war ab dem 27. Februar von der russischen Armee besetzt worden und blieb daraufhin über einen Monat lang weitgehend unzugänglich. Moskau bestritt, für den Tod der Zivilisten verantwortlich zu sein.