Deutschlands bekanntester Philosoph hat im Juni Geburtstag, genauer am 26. Damit ist er sehr zufrieden, besonders seit er in Berlin lebt. Peter Sloterdijk wird 75 Jahre alt. „Eine der Prachtstraßen Berlins heißt ja nicht zufällig Unter den Linden“, erzählt Sloterdijk der Deutschen Presse-Agentur. „Die Linde ist der Baum, der den Juni in der Stadt verzaubert durch das Blütenaroma. Eigentlich ist ganz Berlin ein großes Unter-den-Linden. Es gibt nichts Besseres als einen Juni in der Hauptstadt.“

Sloterdijk stammt aus dem Süden, er ist gebürtiger Karlsruher. Der holländische Name kommt von seinem Vater, mit dem er nie viel zu tun hatte. In seiner Sprache schwingt immer das süddeutsche Idiom in abgeschliffener Form mit. Es verleiht seiner Rede einen gemütlichen Plauderton, in dem auch die inhaltlich härteste Attacke angenehm sanft und vernuschelt daherkommt. Gedruckte Aussagen von ihm lesen sich deshalb oftmals anders, als sie eigentlich ausgesprochen wurden.

Im fortgeschrittenen Alter hat er Süddeutschland ade gesagt. „Ich bin jetzt mit Haut und Haaren Berliner geworden, seit fast vier Jahren schon“, erzählt er. „Im Augenblick leben wir in Berlin-Halensee in einer Wohnung, von der ich hoffe und wünsche, dass wir sie uns noch länger leisten können. Die Großstadtatmosphäre tut mir nach 25 Jahren in der Karlsruher Provinz sehr gut.“ Er nimmt also mit, was die Metropole zu bieten hat? „Unbedingt!“, bestätigt er.

Sloterdijk: „Ich liebe das Wort Arschgeige.“

Dabei hat er ja nicht immer in der Provinz gewohnt, sondern auch in Wien, Paris und New York. Was macht Berlin aus? „Aus meiner Perspektive die Tatsache, dass ich mich hier fast differenzlos zu Hause fühlen kann. Es ist eben eine deutsche Metropole. In Paris und New York macht man eher die Erfahrung, dass man nie wirklich integriert ist. Man bleibt doch immer Außenseiter. Im New York ist es sicher etwas leichter, aber als Fremder ist es auch dort nicht einfach, in die Society hineinzukommen.“

„Wir haben Corona eine freche Privatheiterkeit entgegengesetzt“, sagt Sloterdijk. Gegen Bedrohungsszenarien hätten sie beide eine gewisse Resistenz entwickelt und sich außerdem auch auf verbaler Ebene impfen lassen. „Jede der Warnungen des dominierenden Epidemiologen im Gesundheitsministerium hat bei uns unmittelbar die Immunität erhöht. Wir haben von Anfang an versucht, die Haltung des Sich-Beklagens und -Beschwerens so schnell wie möglich abzubauen. Was ein gelegentliches gesundes Schimpfen nicht ausschließt.“ Auf der Phil.Cologne in Köln bekannte er kürzlich: „Ich liebe das Wort Arschgeige.“