Warschau - Viele Fitnessstudios in Polen wollen trotz der Lockdown-Verordnung der Regierung zum 1. Februar wieder öffnen. Rund 1600 Clubs landesweit würden sich an der Aktion beteiligen, sagte Tomasz Napiorkowski vom Polnischen Fitnessverband der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Dies entspreche einem Anteil von 60 Prozent. „Wir haben keine Wahl: Entweder die Firmen aus der Fitnessbranche müssen komplett schließen, oder sie öffnen jetzt unter Corona-Schutzmaßnahmen und verteidigen ihre Rechte vor Gericht.“

Wegen der Corona-Pandemie hatte Polen die Fitnessstudios im vergangenen Frühjahr geschlossen; nach einer kurzen Öffnungsphase im Sommer ist der Betrieb seit Mitte Oktober erneut untersagt. Am Donnerstag hatte die Regierung in Warschau bekannt gegeben, dass Sporteinrichtungen und Schwimmbäder bis zum 14. Februar weiterhin geschlossen bleiben. „Wir werden die Fitnessclubs trotz der Regierungsentscheidung öffnen“, sagte Napiorkowski. Die Corona-Hilfen des polnischen Staates würden nur einen Bruchteil der Verluste ausgleichen, die die Studios derzeit verbuchen.

Vor möglichen rechtlichen Konsequenzen haben die Fitnessstudio-Betreiber laut Napiorkowski keine Angst. Bislang hätten die Gerichte in Polen meist zugunsten der Bürger entschieden und Bußgeldbescheide wegen Verstößen gegen die Lockdown-Verordnung wieder aufgehoben. Um die Aktivitäten von Unternehmen rechtssicher einschränken zu können, müsste die polnische Regierung einen der in der Verfassung aufgeführten Not- oder Ausnahmezustände verhängen, dies hat sie bislang nicht getan.

„Es ist nicht so riskant, wie man denkt“, sagte Napiorkowski. Und sollten doch Geldstrafen verhängt werden, sei dies sinnlos - die Kassen der Fitnessstudios seien leer.