Berlin - Nach der Entscheidung für einen harten Lockdown haben führende Politiker die Hoffnungen auf baldige Lockerungen gedämpft. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) sagte den Sendern n-tv und RTL, er habe zwar die „große Hoffnung“, dass die Infektionszahlen durch die neuen Maßnahmen sinken. „Eine umfassende Lockerung halte ich für sehr, sehr unwahrscheinlich“, fügte er aber an.

Januar und Februar seien für Atemwegserkrankungen „schwierige Monate“, sagte Braun am Montag. Er forderte, mögliche Treffen mit Familie und Freunden an Weihnachten gut vorzubereiten. In der Vorweihnachtswoche sollten die Menschen zu Hause bleiben und keine Kontakte mehr haben. „Dann kann das verantwortbar sein, dass man sich über Weihnachten auch mit älteren oder vorerkrankten Menschen trifft.“ Braun betonte zugleich: „Wenn man sich acht Termine hintereinander auf einen Weihnachtstag legt, wäre das natürlich nicht der Sinn der Sache.“

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder glaubt nicht, dass der Lockdown in Deutschland nach der ersten Januar-Woche wieder aufgehoben werden kann. „Ich glaube nicht, dass am 10. Januar schon alles vorbei ist.“, sagte er. Es komme darauf an, ob die Maßnahmen ausreichten, auf die angepeilte Inzidenz von 50 Fällen je 100.000 Einwohner zu kommen. Das gelte auch für die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts: „Ich glaube nicht, dass es in den Schulen am 10. Januar einfach wieder so weiter geht.“

Auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach äußerte sich skeptisch zu baldigen Lockerungen. Er sagte in der n-tv-Sendung „Corona Spezial“, entscheidend sei, nicht zu früh aus dem Lockdown zu gehen. „Wir müssen die Zielinzidenz von 50 sauber unterschreiten.“

Nach Überzeugung von Regierungssprecher Steffen Seibert lässt sich die Frage nach Lockerungen im Januar nur vor dem Hintergrund des Infektionsgeschehens beantworten. Die Maßnahmen würden so lange gebraucht, wie die Pandemie andauere. Auch die Frage einer möglichen Langfriststrategie beantwortete Seibert zurückhaltend. Es sei „sehr deutlich geworden, dass dieses Infektionsgeschehen immer ein sehr dynamisches ist“.

Bund und Länder hatten sich am Sonntag auf einen harten Lockdown mit weitreichenden Laden- und Schulschließungen, Einschränkungen des Kita-Betriebs und Kontaktbeschränkungen geeinigt. Die Maßnahmen gelten zunächst bis zum 10. Januar.