Berlin - Der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler hat in einem Interview darauf hingewiesen, dass man von einem über Jahre hinweg andauernden „Corona-Regime“ ausgehen müsse. Gegenüber der Heilbronner Stimme sagte Münkler: „Am Anfang herrschte eine Stimmung, die uns in eine Falle geführt hat. Man sagte, das Danach wird so sein wie das Davor. Es war ein großer Trugschluss.“ Beispielhaft für das „Corona-Regime“ nennt Münkler die AHA-Regeln, das mutmaßlich dauerhafte Mitführen eines Impfpasses oder die künftig aufwändigere Reiseplanung. 

Weiter sagte der Wissenschaftler, dass ein funktionierender Staat, dadurch in Erscheinung trete, dass „Freiheit und Sicherheit keinen Gegensatz bedeuten müssen“. Mit Blick auf die Impfstoff- und Schnellteststrategie der Bunderegierung sagte Münkler: „Ein Fülle von Fehleinschätzungen und das Ungeschick bei der Impfstoff- und Schnelltestbeschaffung zeigen uns, wo die Probleme des Landes liegen – nämlich im administrativen Bereich.“

Von dieser Kritik nahm der emeritierte Professor für Politikwissenschaft an der Berliner Humboldt Universität die Kanzlerin Angela Merkel aus. Allerdings habe sie es versäumt, „die ständig nervösen Ministerpräsidenten auf eine Linie zu bringen“.

Münkler sprach in dem Interview auch von einer zunehmenden „Gereiztheit in der Gesellschaft“. Die Populisten allerdings seien nicht die Gewinner der Krise. Sie hätten zu viele ältere Menschen und Risikogruppen abgeschreckt.