Liverpool - Die Polizei in Liverpool hat die Autoexplosion am Sonntag mit einem Toten als terroristischen Vorfall eingestuft. Das sagte ein Polizeisprecher am Montag vor Journalisten. Er bestätigte auch, dass die Detonation von einem Sprengsatz ausgelöst wurde. Es gebe Hinweise, dass der Getötete diesen bei sich getragen habe, so der Sprecher weiter. Die Terrorwarnung in Großbritannien wurde nach der tödlichen Explosion auf die zweithöchste Stufe erhöht.

Der Mann hatte sich den Polizeiangaben zufolge von einem Taxi zu einer Frauenklinik in der nordwestenglischen Stadt bringen lassen. Diese ist wenige Hundert Meter von der Kathedrale entfernt, in der der örtliche Gedenkgottesdienst stattfand. „Wir können im Moment keinen Zusammenhang damit herstellen, aber es ist eine Spur, der wir nachgehen“, sagte Russ Jackson von der Anti-Terror-Polizei mit Blick auf die Gedenkfeier. Als das Ziel erreicht war, explodierte der Sprengsatz und setzte das Auto in Brand. Der Fahrer habe sich retten können und sei mit Verletzungen behandelt worden. Er sei bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der Fahrgast starb noch vor Ort. Der getötete Passagier wurde laut Polizei noch nicht „formell identifiziert“. Die Ermittler glaubten, die Identität des Passagiers zu kennen, wollten sie aber zu diesem Zeitpunkt nicht preisgeben.

Taxifahrer sperrte verdächtig wirkenden Passagier im Fahrzeug ein

Nach Angaben der städtischen Behörden und Medienberichten zufolge hatte der Fahrer den Passagier vor der Frauenklinik im Taxi eingesperrt, nachdem dieser ihm verdächtig vorgekommen war. Das Fahrzeug explodierte kurz darauf.

„Mit seinem heldenhaften Verhalten hat der Taxifahrer es geschafft, eine mögliche Katastrophe in dem Krankenhaus abzuwenden, die absolut grauenhaft hätte werden können“, sagte Liverpools Bürgermeisterin Joanne Anderson im BBC-Radio. Der britische Premierminister Boris Johnson sagte kurz vor der Pressekonferenz der Anti-Terror-Polizei, es sei verfrüht, sich im Detail zu dem Vorfall zu äußern, da die Ermittlungen noch andauerten. „Aber es sieht so aus, als hätte sich der betreffende Taxifahrer mit unglaublicher Geistesgegenwart und Tapferkeit verhalten“, sagte Johnson in London.

Mehrere Wohnungen durchsucht, vier Personen festgenommen

Im Zusammenhang mit dem Vorfall wurden mehrere Wohnungen durchsucht. Zu den drei Festnahmen vom Sonntag sei eine weitere hinzugekommen, sagte der Polizeisprecher. Bei den Verdächtigen handle es sich um Männer im Alter zwischen 20 und 29 Jahren.

Zu den Hintergründen des Vorfalls konnte die Polizei zunächst noch keine Angaben machen. Es werde davon ausgegangen, dass der Fahrgast den improvisierten Sprengsatz selbst hergestellt habe, sagte der Sprecher. Unklar sei aber noch, warum er diesen zu der Klinik gebracht habe und warum die Bombe so unvermittelt explodiert sei. Auch zu einem möglichen Motiv wollte sich der Sprecher nicht äußern.