Berlin - Die Staatsanwaltschaft Berlin hat gegen einen 54-jährigen Mann Anklage vor einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts Berlin wegen versuchten grausamen Mordes aus niedrigen Beweggründen, schwerer Körperverletzung und Vergewaltigung erhoben.

Wie die Staatsanwaltschaft Berlin mitteilt, legt sie Omid R. zur Last, seine ehemalige Lebensgefährtin sowie deren zur Tatzeit zehnjährige Tochter am 30. Oktober 2012 in ihrer Wohnung in Berlin-Schöneberg zunächst mit einem Messer bedroht, gefesselt und geknebelt zu haben. Dort soll er die Frau zunächst vergewaltigt, anschließend aus Rache schwer misshandelt und verstümmelt haben und sie schließlich in hilfloser Lage gefesselt in der Wohnung zurückgelassen haben. Es gelang der lebensgefährlich verletzten Frau durch glückliche Umstände, durch ein Fenster der Wohnung erfolgreich nach Hilfe zu rufen. Durch intensivmedizinische Versorgung konnte sie gerettet werden, musste sich aber unter anderem einer Vielzahl von Folgeoperationen unterziehen.

Omid R. saß im Iran über sechs Jahre im Gefängnis

Doch warum erhebt die Staatsanwaltschaft Berlin erst jetzt Anklage, neun Jahre nach der Tat? Der Angeschuldigte soll noch am Tattag aus Berlin in die Türkei und von dort auf dem Landweg in den Iran geflüchtet sein. Dort wurde er von iranischen Sicherheitskräften im November 2012 festgenommen und nach mehrjährigen gerichtlichen Verfahren im September 2018 wegen der Tat vom 30. Oktober 2012 in Berlin sowie einer weiteren Tat zum Nachteil einer anderen Frau unter anderem zu Freiheitsstrafen verurteilt.  

Nachdem er im Iran über sechs Jahre Freiheitsstrafe verbüßt hatte, wurde er im Mai 2019 entlassen und flüchtete wenige Monate später aus dem Iran in die Niederlande. Bereits in den Niederlanden war er in den Jahren 2003 und 2005 unter anderem wegen Vergewaltigung und versuchten Totschlags seiner damaligen Ehefrau zu Freiheitsstrafen verurteilt worden.

Nach seiner Festnahme in den Niederlanden im März 2020 befand sich der Angeschuldigte dort in Auslieferungshaft, bevor er im Juli 2021 ausgeliefert und an die deutsche Justiz überstellt wurde. Seitdem ist der in Berlin in Untersuchungshaft.