Berlin - Bei den Demonstrationen der Gegner der Corona-Politik hat die Polizei in Berlin am Wochenende 576 Menschen vorübergehend festgenommen, um ihre Personalien festzustellen. Insgesamt wurden 544 Ermittlungsverfahren eingeleitet, wie am Montag mitgeteilt wurde. Dabei ging es oft nur um Ordnungswidrigkeiten wie der Teilnahme an einer verbotenen Versammlung, aber auch um Straftaten wie versuchte Gefangenenbefreiung, Landfriedensbruch und tätliche Angriffe auf Polizisten. 17 Polizisten wurden verletzt, die meisten davon leicht.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) lobte die Polizeieinsätze: „Die Polizei war taktisch sehr, sehr gut aufgestellt“, sagte Geisel am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Sie habe die Versammlungsfreiheit „in ganz hervorragender Weise“ geschützt.

Trotz Verbote: 5000 Demonstranten ziehen durch Berlin

Viele Tausend Menschen hatten am Samstag und Sonntag trotz Verboten in Berlin gegen die deutsche Corona-Politik demonstriert. Sie liefen in mehreren Aufzügen mit bis zu 5000 Teilnehmern vor allem durch Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Mitte und Tiergarten und lieferten sich dabei immer wieder ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. Es gab Angriffe auf Polizisten und vergebliche Versuche, durch Absperrungen in das Regierungsviertel durchzubrechen. Die Polizisten setzten Reizgas ein.

Allerdings verhielten sich offenbar nicht alle Polizisten korrekt. Die Polizei twitterte, ein Berliner Polizist habe „einen Kniestoß gegen den Kopf eines Festgenommenen ausgeführt“. Im Landeskriminalamt würden jetzt für Amtsdelikte zuständige Beamte ermitteln: „Dienstrechtliche Konsequenzen knüpfen daran an.“ Laut Geisel waren 2400 Polizisten im Einsatz, darunter 739 Polizisten aus anderen Bundesländern und von der Bundespolizei.

„Zug der Liebe“ wegen Corona-Verstößen von der Polizei aufgelöst 

Insgesamt habe es fast 120 Demonstrationen aller Richtungen gegeben, sagte Geisel. Neben den sogenannten „Querdenkern“ gab es den „Zug der Liebe“ mit Techno-Musik und Tanz und 8000 Teilnehmern und einem vorzeitigen Ende wegen zu wenig Corona-Masken und Abständen. Außerdem Demonstrationen von Motorradfahrern und zu Afghanistan.

Am Samstag wurden von der Polizei 119 Menschen festgenommen, es gab 63 Ermittlungen wegen Ordnungswidrigkeiten und 47 wegen Straftaten. Sonntag waren es 457 sogenannte Freiheitsentziehungen und 434 Ermittlungsverfahren.