Berlin - In Reinickendorf hat ein Radfahrer die Wiederbelebungsversuche einer 92-jährigen Seniorin behindert. Nach Angaben der Polizei hatte der 50-Jährige einen Rettungswagen gestoppt, weil er der Meinung war, der Fahrer des Einsatzwagens hätte das Blaulicht nur eingeschaltet, um schneller voranzukommen.  Die Frau verstarb kurz danach im Krankenhaus.

Wie die Polizei mitteilte, waren Sanitäter und Notarzt am Montagmorgen zu einem Seniorenheim im Senftenberger Ring alarmiert worden, weil dort eine Bewohnerin reanimiert werden musste. „Nachdem die Retter die 92-Jährige wiederbeleben und stabilisieren konnten, wurde der Transport in eine Klinik vorbereitet“, erklärte ein Polizeisprecher. Der Fahrer und die Fahrerin des Rettungs- und des Notarztwagens wollten mit eingeschaltetem Blaulicht vom Gelände fahren. Dabei sollen sie von einem aggressiven Rennradfahrer behindert worden sein, indem er die Einsatzfahrzeuge nicht durchgelassen habe.

Aggressiver Radfahrer zeigt Mittelfinger und bedroht Sanitäter 

Als der Mann daraufhin vor den Rettern fuhr und sie deshalb kein Tempo aufnehmen konnten, habe der Fahrer des Rettungswagens das Martinshorn eingeschaltet und ihn überholt. Auch die Fahrerin des Notarztfahrzeuges aktivierte nun die Sirene. Der Radfahrer, der seinen Mittelfinger nach oben streckte, soll dann weiter provokativ auf der Mitte der Fahrbahn Schlangenlinien gefahren sein, um den Einsatzwagen nicht vorbeizulassen. Damit der Notarztwagen der Polizei zufolge aufschließen konnte, habe der Fahrer des Rettungswagens abgebremst.

Aufgrund des Bremsmanövers kollidierte der Radfahrer mit dem Einsatzfahrzeug. Wutentbrannt habe der 50-Jährige dann die Fahrertür des Rettungswagens aufgerissen und den 28-jährigen Sanitäter bedroht und beleidigt. Anschließend soll er versucht haben, die Hecktür zu öffnen, was die Besatzung aber verhindern konnte. „Während der mehrere Minuten andauernden Attacken des Radfahrers war eine Weiterfahrt nicht möglich. Der Gesundheitszustand der Patientin verschlechterte sich und sie musste erneut reanimiert werden“, erklärte der Polizeisprecher.

Polizei ermittelt gegen aggressiven Radfahrer 

Zwischenzeitlich alarmierte Polizisten sorgten dafür, dass die Rettungskräfte mit mehreren Minuten Verzug weiterfahren konnten. Wie die Klinik später mitteilte, verstarb die Patientin. „Ob und welchen Einfluss das Verhalten des 50-Jährigen und der dadurch längere Transport ins Krankenhaus hierauf hatten, müssen die Ermittlungen ergeben“, so der Polizeisprecher.

Bei der Befragung soll der Mann den Beamten erzählt haben, er sei davon ausgegangen, dass der Einsatzwagen keinen Patienten an Bord hatte. Nach Feststellung seiner Personalien konnte der Mann weiterradeln. Gegen ihn wird nun wegen tätlichen Angriffs und Nötigung ermittelt.