Berlin - Noch am Mittwochvormittag riecht es in großen Teilen Kreuzbergs nach Rauch. Gegen 2.30 Uhr hatte es in der Nacht zuvor gebrannt im Brachvogel, einem beliebten Ausflugslokal am Landwehrkanal. Die Feuerwehr löschte zwei Stunden lang mit 60 Einsatzkräften die lodernden Flammen, wie sie bei Twitter mitteilte. Das Restaurant mit Biergartenbereich und Minigolfanlage am Carl-Herz-Ufer auf Höhe der Prinzenstraße brannte vollständig aus. Ein Mann wurde verletzt und ins Krankenhaus gebracht, ein Hund aus dem Feuer gerettet. Wie die Polizei am Nachmittag mitteilte, ermittelt das Landeskriminalamt wegen vorsätzlicher schwerer Brandstiftung. 

Besitzer Ceminan Albayrak ist am Vormittag fertig mit der Welt. Mit Helfern räumt er noch einen Kühlschrank aus seinem ausgebrannten Lokal in einen Lieferwagen, ein Interview will er eigentlich nicht geben. Die Brandursache sei noch unklar, sagt er nur. Sein Bruder habe nachts noch versucht, zu löschen und liege nun im Krankenhaus. Die Polizei teilt später mit, der 51-Jährige habe im Lokal gegen 2 Uhr Brandgeruch und Flammen wahrgenommen und sich beim Löschen schwer verletzt. Dann taucht der Bruder noch am Morgen wieder auf, mit bandagierten Kopf und Händen, ohne Schuhe, die Überzüge aus der Unfallklinik an den Füßen. Er hat den Brand wohl einigermaßen unbeschadet überstanden, ebenso wie der Hund.

Foto: Markus Wächter
Wenig zu retten. Das beliebte Lokal mit Biergarten und Minigolf ist nach dem Feuer fast völlig ausgebrannt.

Am Lokal hingegen ein Totalschaden, es riecht verschmort, einige Metall-Stühle sind halb geschmolzen. Bei Eintreffen der Einsatzkräfte hatte sich das Feuer bereits auf das 200 Quadratmeter große Gebäude ausgebreitet, am frühen Mittwochmorgen entzündeten sich erneut Glutnester. Die Feuerwehr musste noch einmal mit einem Löschfahrzeug anrücken, die Nachlöscharbeiten dauerten bis in den Morgen hinein. Ein Brandkommissariat hat die Ermittlungen übernommen, gegen 11 Uhr traf das Landeskriminalamt ein. 

Die genaue Ursache ist noch unklar, offenbar breitete sich das Feuer aber nicht vom Dach aus, wie es ursprünglich hieß. Ob ein Brandsatz das Feuer entfachte oder das Lokal direkt mit Brandbeschleuniger angezündet wurde, war zunächst unklar. Dazu machte die Polizei auf Anfrage der Berliner Zeitung keine Angaben. 

Das Brachvogel ist ein alteingesessener Laden im Bezirk, seit 2003 gibt es das gut 2000 Quadratmeter große Gastro-Areal am Wasser. Möglich sind auch Ursachen wie beispielsweise ein Kurzschluss in der Elektrik, aber all das muss noch geklärt werden.

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Stammgäste sind erschüttert. Die Rentner Horst-Helmut (l.) und Barbara Emma aßen zweimal die Woche hier.

Womöglich verliert Berlin im Corona-Lockdown ein weiteres beliebtes Lokal. „Wir sind erschüttert, es ist furchtbar“, sagen Barbara Emma und Horst-Helmut, die wie viele Passanten stehen blieben und gucken. Die beiden Rentner waren Stammgäste, aßen ein bis zweimal die Woche hier. „Wir hoffen, dass er wieder aufmachen kann und eine gute Versicherung hat.“ Mit der Versicherung sei das doch immer so eine Sache, sagt Besitzer Albayrak nur und spricht dann erst einmal mit den Ermittlern.