Berlin - Die Berliner Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt ermitteln gegen zwei Brüder, die in Verdacht stehen, am 13. Juli 2021 ihre 34-jährige Schwester getötet zu haben. Wie die Polizei am Freitagmorgen mitteilte, befinden sich die 22 und 25 Jahre alten Männer deshalb seit dem 4. August in Untersuchungshaft.

Die Männer sollen die Frau laut Polizeiangaben „aus gekränktem Ehrgefühl“ gemeinsam getötet und die Leiche noch am Tattag in einem Koffer mit der Deutschen Bahn zum Wohnort des 25-Jährigen nach Bayern gebracht und dort vergraben haben. Nachdem die Mutter zweier Kinder zunächst als vermisst gemeldet worden war, ergaben sich bereits nach kurzer Zeit Hinweise darauf, dass sie einem Tötungsverbrechen zum Opfer gefallen sein könnte.

Die Auswertung von Videoaufnahmen der Überwachungskameras eines Berliner Fernbahnhofs, Funkzellenauswertungen, Zeugenaussagen und weitere Ermittlungserkenntnisse haben den Tatverdacht des Mordes gegen die beiden Brüder begründet, woraufhin die Staatsanwaltschaft Berlin einen Haftbefehl gegen beide Männer erwirkt hat.

Polizei findet Frauenleiche in der Nähe des Wohnorts eines Bruders

Nach weiteren intensiven, gemeinsam mit den Polizeibehörden in Bayern fortgeführten Ermittlungen konnte die Mordkommission aktuell in der Nähe des Wohnortes des 25-Jährigen in Bayern eine Frauenleiche finden, bei der es sich mutmaßlich um die Schwester der Tatverdächtigen handelt. Eine Obduktion soll die Identität, die Todesursache und Einzelheiten der Tatbegehung klären.

Dem Haftbefehl zufolge sollen die beiden Tatverdächtigen sich gekränkt gefühlt haben, weil das Leben ihrer geschiedenen Schwester nicht ihren Moralvorstellungen entsprochen habe. Alle drei Geschwister haben die afghanische Staatsangehörigkeit und leben seit einigen Jahren in Deutschland.

Aktueller Fall erinnert an Fall Hatun Sürücü

Morde im Namen der vermeintlichen Ehre sorgten bereits in der Vergangenheit deutschlandweit für Aufsehen. So wurde etwa im Februar 2005 die 23-jährige Deutsch-Türkin Hatun Sürücü in Berlin-Tempelhof von ihrem Bruder mit drei Kopfschüssen getötet. Etwas mehr als ein Jahr später wird der zu diesem Zeitpunkt 20 Jahre alte Todesschütze zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten verurteilt.

Gewalt im Namen einer traditionellen „Ehre“ erfahren Mädchen und Frauen in allen Teilen der Welt. Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes sieht dahinter jedoch meist keine religiösen Motive. Vielmehr stünde das patriarchalische – also männlich dominierte – Denken der Täter im Vordergrund. Frauen würden als Besitz betrachtet. Und weichen sie von den althergebrachten Normen ab, gilt der Mann als „Opfer“, da er so seine angebliche Ehre verliert. Im Extremfall kann es so auch zum Mord kommen. (mit dpa)