Berlin - Beim Rettungsdienst der Berliner Feuerwehr ist der Ausnahmezustand deutlich häufiger ausgerufen worden als im Vorjahr. Bis Mitte November sei er 149-mal und damit doppelt so oft wie im gesamten Jahr 2020 ausgerufen worden, berichtete der RBB am Mittwoch. Als einen Grund dafür nannte Micha Quäker von der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft unter anderen eine schlechtere hausärztliche Versorgung. „Gerade, wenn ein Patient zu einem Facharzt muss, das wird mittlerweile alles auf die Krankenhäuser abgewälzt“, sagte der Vorsitzende der Landesgruppe Berlin-Brandenburg dem Inforadio von RBB.

Im Durchschnitt werden die Berliner Feuerwehrleute täglich zu 1300 bis 1400 Einsätzen gerufen, berichtete der RBB unter Berufung auf Angaben der Feuerwehr. An Spitzentagen seien es bis zu 1700 Fälle. In den Vorjahren hab es diese Anzahl nur in der Silvesternacht gegeben habe, sagte ein Feuerwehrsprecher dem Sender.

Nach Schilderung von Quäker wird die Feuerwehr auch öfter gerufen, weil der Kassenärztliche Versorgungsdienst 116 117 nicht mehr so gut funktioniere – oder die Corona-Hotline überlastet sei. „Das muss sich der Bürger abgewöhnen. Dafür ist die Feuerwehr nicht da“, betonte er. „Der Bürger muss einfach mal verstehen, wenn wir bei ihm sind, können wir vielleicht den Herzinfarkt nebenan nicht behandeln.“ Auch die Gewerkschaft der Polizei konstatierte eine „All-inclusive-Mentalität in der Bevölkerung“.

Feuerwehr: Menschen haben Angst und wählen dann die 112

Wird der Ausnahmezustand bei der Feuerwehr ausgerufen, bedeutet dies, dass Einsätze nach Dringlichkeit abgearbeitet werden. Dafür werden etwa zusätzliche Rettungsfahrzeuge in Betrieb genommen, Löschfahrzeuge sind dafür weniger unterwegs. Die Feuerwehrleute seien dann durchgehend im Dienst, so Quäker. Das führe zu einer extrem hohen Belastung.

Hinzu käme Personalmangel. Derzeit seien bei der Feuerwehr mehr als 500 Stellen unbesetzt, so Quäker. Weil es zu wenig Ausbildungsplätze gebe, komme der nötige Nachwuchs zu langsam im Rettungsdienst an. Die Gewerkschaft fordert den zukünftigen Berliner Senat deshalb auf, die Ausbildungsstätte personell aufzustocken.