Die monatelange Serie der Brände und mutmaßlichen Brandstiftungen in Berlin-Spandau hat sich trotz intensiver Ermittlungen der Polizei fortgesetzt. In der Nacht zu Donnerstag wurden erneut in zwei Hochhäusern am Blasewitzer Ring in Wilhelmstadt Feuer in mehreren Kellern gelegt. Eine Anwohnerin hatte zum Glück gegen 2 Uhr Rauch und Flammen bemerkt und die Feuerwehr alarmiert, sagte ein Polizeisprecher. „Durch die schnellen Löscharbeiten konnte ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäudeteile verhindert werden“, so der Sprecher. Etwa zwei Stunden später zündete ein Brandstifter in einem nahe gelegenen Mehrfamilienhaus Müll im Keller an.

Insgesamt zwölf Menschen mussten in der Nacht wegen den Brandstiftungen aus den Häusern in Sicherheit gebracht werden, wie die Feuerwehr mitteilte. Sie wurden in einem Bus der BVG betreut. Drei Anwohner mussten vor Ort wegen Rauchgasvergiftungen behandelt werden.

Bereits am Mittwochabend wurden bei einem Feuer in einem fünfgeschossigen Wohn- und Geschäftshaus in Moabit zwei Bewohner verletzt und von der Feuerwehr ins Krankenhaus gebracht. Die Feuerwehrleute retteten fünf Menschen aus Lebensgefahr. Zwei von ihnen wurden mit Leitern aus dem Haus in der Waldenserstraße geholt. Das Feuer war in einer Wohnung im ersten Stock ausgebrochen. Möbel brannten, es gab viel Rauch.

Brandserie in Spandau: 75 Taten in einem halben Jahr, Anwohner beunruhigt

Die Brandserie in Staaken und Wilhelmstadt im Bezirk Spandau dauert inzwischen schon etwas sechs Monate, im Herbst 2021 hatte es dort erst auffällige Feuer meist in Kellern von Hochhäusern gegeben. Die Polizei geht von Brandstiftungen von einem oder mehreren Tätern aus. Vor einer Woche hatte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) von bislang 75 Taten gesprochen, seitdem kamen mehrere Brände hinzu. Die Bewohner der Hochhäuser in der Gegend seien sehr beunruhigt, hieß es.

Die Polizei setzte eine sogenannte Ermittlungsgruppe mit der Bezeichnung „Quartier“ ein. Verdeckte Ermittler der Kriminalpolizei, uniformierte Streifen und Teams zur vorbeugenden Beratung sind in dem Gebiet unterwegs. Eine Belohnung von 1000 Euro wurde für Hinweise ausgesetzt. Der Senat forderte die Wohnungsbaugesellschaften dringend auf, herumliegenden Müll in den Häusern schneller zu entsorgen, Türschlösser zu reparieren und Hausmeister und Wachleute einzusetzen.