Berlin - Nach mehreren Brandstiftungen in einem linksalternativen Wohnprojekt in Berlin-Spandau hat die Polizei das Haus durchsucht und einen verdächtigen Mann festgenommen. Das teilte die Polizei am Freitag mit. Der Verdächtige sei ein Bewohner des Hauses in der Jagowstraße, sagte eine Polizeisprecherin. Beweise seien sichergestellt worden.

Die Hausbewohner nennen ihr Projekt „Jagow15“. In den vergangenen Monaten gab es dort Brandstiftungen in einem Hausflur und auf dem Hof sowie mindestens eine telefonische Bombendrohung. Die Bewohner erklärten daraufhin in einer Mitteilung, das Haus werde terrorisiert und vermuteten, „dass hinter den Angriffen eine rechtsextreme Koordination steht“. Sie verglichen die Brandstiftungen mit den Brandanschlägen mutmaßlich rechtsextremer Täter in Neukölln und den rechtsextremen Drohschreiben mit dem Absender NSU 2.0.

Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der Kriminalpolizei ermittelte zunächst in diese Richtung. Nun stellte die Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbeschluss wegen des Verdachts der Brandstiftung gegen den Bewohner aus.

Anfang April waren in einem Hausflur Möbel, darunter ein Regal und ein Sofa angezündet worden. Mieter löschten das Feuer. Zuvor waren Schmierereien mit einem rechtsextremen Hintergrund im Haus entdeckt worden. Mitte April wurden zwei alte Autos im Innenhof angezündet und zerstört. Ein Carport und ein Schuppen brannten ebenfalls ab. Kurz danach gab es eine Bombendrohung.

Das Wohnprojekt „Jagow15“ ist Teil des „Mietshäuser Syndikats“, eines Verbundes von über 150 autonomen, selbstverwalteten Mietshäusern, Hausprojekten und Projektinitiativen in ganz Deutschland. In Berlin gibt es insgesamt 20 solcher Wohnprojekte.