Berlin - Nachdem das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel gekippt hat, haben am Donnerstagabend mehrere Tausend Menschen für einen bundesweiten Mietenstopp demonstriert. Zu dem kurzfristig angemeldeten Aufzug waren weit mehr Menschen gekommen, als die Polizei erwartet hatte. Einen bitteren Beigeschmack hatte der Protest dann aber doch: Als die Demonstration beendet war, kam es zu Ausschreitungen und Angriffen auf Polizisten – es flogen Flaschen und Steine. 

Der Hermannplatz hatte sich ab 17 Uhr schnell gefüllt. Zahlreiche Menschen waren dem Aufruf des Berliner Mietervereins gefolgt, um mit viel Lärm gegen die teuren Mieten in Berlin zu demonstrieren. Mit Sprechchören und Kochtopfdeckeln protestierten sie gegen den Beschluss des höchsten deutschen Gerichts und forderten mehr politisches Handeln gegen den „Mietenwahnsinn“. Das Motto der sogenannten Lärm-Demo: „Wenn Sie uns einen Deckel nehmen, kommen wir mit Tausenden Deckeln wieder!“ Der Aufzug zog vom Hermannplatz zum Kottbusser Tor. 

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Tausende Menschen demonstrierten in Berlin gegen den „Mietenwahnsinn“ und für einen bundesweiten Mietenstopp. 

Angriff mit Holzlatten: Polizisten wehren sich mit Pfefferspray

Als die Versammlungsleitung den überwiegend störungsfrei verlaufenen Aufzug für beendet erklärt hatte, kam es nach Angaben der Polizei plötzlich zu Gewalt. Gegen 19.50 Uhr warfen mehrere Demonstranten aus einer rund 100-köpfigen Personengruppe heraus Flaschen und Steine auf Polizisten, hieß es. Einige Polizisten seien direkt angegriffen worden. Dabei seien Beamte mit Holzlatten geschlagen worden, die sich daraufhin mit Pfefferspray wehrten.

Anschließend blockierten rund 25 Personen eine Fahrbahn am Kottbusser Tor, in dem sie sich auf die Straße setzten. Als Einsatzkräfte dies dokumentierten, eskalierte die Situation erneut. Wieder flogen Flaschen auf die Beamten, es kam zu Rangeleien. Daraufhin schlugen und traten die Polizisten um sich, setzten Reizgas ein und nahmen mehrere Verdächtige fest. Dabei wurden die Einsatzkräfte immer wieder mit lauten Sprechchören beschimpft und beleidigt.

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Mehrere Polizisten nehmen einen Demonstranten fest.

Ausschreitungen und Randale am Hermannplatz 

Kurz darauf kam es auf dem Hermannplatz zu Ausschreitungen. Linksradikale sollen laut Polizei randaliert und Fassaden beschmiert haben. Rund 100 Männer und Frauen blockierten dann eine Fahrbahn des Hermannplatzes. Die Gruppe konnte noch vor Eintreffen der Polizei flüchten. 

Die traurige Bilanz aus Sicht der Polizei: 13 Polizistinnen und Polizisten sollen durch Angriffe verletzt worden sein. Acht Frauen und 40 Männer wurden vorläufig festgenommen. Gegen sie wird wegen besonders schweren Landfriedensbruches, tätlichen Angriffs, Gefangenenbefreiung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung und Drogenkonsum ermittelt. Zudem wurden 33 Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Verstöße gegen die Corona-Regeln eingeleitet.