Den Berliner Sicherheitsbehörden ist am Dienstag in Kreuzberg offenbar ein Schlag gegen den organisierten Drogenhandel gelungen. Einsatzkräfte der Polizei und Staatsanwaltschaft vollstreckten am Nachmittag mehrere Durchsuchungsbeschlüsse rund um die Ritterstraße und Reichenberger Straße. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) stürmte laut Polizeiangaben die Wohnung des Hauptverdächtigen. „Da wegen des Verdachts des erwerbsmäßigen Drogenhandels ermittelt wird, konnte nicht ausgeschlossen werden, dass die Verdächtigen bewaffnet sind“, erklärte ein Polizeisprecher.

Die Einsatzkräfte sicherten Beweismittel und befragten Zeugen. Ob es auch Festnahmen gab, war zunächst unklar. „Der Einsatz läuft noch und wir warten noch auf eine Auswertung“, sagte der Polizeisprecher am späten Nachmittag. Laut ersten Erkenntnissen wurden Drogen gefunden. Genauere Informationen über den Einsatz will die Polizei aber erst am Mittwoch bekannt geben. Ausgangspunkt der Razzien war nach Informationen der Berliner Zeitung die Auswertung von sogenannten Encrochat-Daten.

Die Kryptierungssoftware Encrochat galt lange als nicht entschlüsselbar und war deshalb bei Kriminellen sehr beliebt. Die Polizei in den Niederlanden und Frankreich knackte im Frühjahr 2020 die Software und schöpfte einige Monate lang Millionen geheimer Daten ab. In ganz Deutschland soll es laut Polizei bis Ende vergangenen Jahres rund 4600 Encrochat-Nutzer gegeben haben, in Berlin waren es mehr als 700.