Ein betrunkener Lastwagenfahrer hat im fränkischen Fürth eine Schneise der Verwüstung gezogen. Bei seiner Trunkenheitsfahrt beschädigte der 50 Jahre alte Mann am Dienstagabend mindestens 33 Fahrzeuge und setzte ein Haus in Brand, wie das Polizeipräsidium Mittelfranken am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Drei Menschen, darunter der Fahrer, wurden verletzt. Ein Polizeisprecher schätzte den Sachschaden auf etwa 400.000 bis 500.000 Euro.

Der Mann, bei dem ein Atemalkoholtest zwei Promille ergab, wurde nach seiner Verwüstungsfahrt festgenommen. Er sollte im Lauf des Mittwochs dem Haftrichter vorgeführt werden, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Aufräumarbeiten in dem betroffenen Bereich von Fürth dauerten von Dienstagabend bis weit in den Mittwoch hinein weiter an.

Nach den Erkenntnissen der Polizei ignorierte der Mann zunächst eine rote Ampel. Dabei touchierte er ein Auto, dessen Fahrerin bei dem Zusammenstoß leicht verletzt wurde. Der Lastwagen fuhr einfach weiter, rammte mehrere geparkte Autos und schob sie vor sich her.

Ob der Lkw-Fahrer bewusst handelte, ist noch unklar

Dabei wurden die Fahrzeuge laut Polizei gegen Häuser gedrückt. Der Lastwagen, mehrere Autos sowie eine Hausfassade gerieten in Brand. Der Lasterfahrer und ein Passant wurden dabei leicht verletzt. Die Feuerwehr löschte die Brände und evakuierte das Haus.

Die Staatsanwaltschaft stellte einen Haftantrag gegen den aus der Türkei stammenden Mann, der in Deutschland keinen gemeldeten Wohnsitz hat. Außerdem wurde ihm noch zur Ermittlung des genauen Promillewerts Blut abgenommen. Die weiteren Ermittlungen führt die Verkehrspolizei Fürth, ein Gutachter soll den genauen Ablauf klären. Gegen den Fahrer wird wegen Unfallflucht und Körperverletzung ermittelt.

Am Morgen danach ist vieles noch unklar. Hatte der Fahrer ein konkretes Motiv? Oder war er aufgrund seines Alkoholpegels unzurechnungsfähig? Handelte er bewusst? Oder lag ein technischer Defekt vor? Fragen, auf die das Polizeipräsidium Mittelfranken am Vormittag noch keine Antwort geben konnte.

Polizei Fürth: „Noch nie so ein Verwüstungsszenario erlebt“

Unklar ist auch, wann die Bewohner des beschädigten Hauses in ihre Wohnungen zurückkehren können. „Das Schadensbild ist schon immens“, sagte der Sprecher. Der Sattelzug hatte mehrere Autos in die Fassade geschoben, von denen einige lichterloh brannten. Die Flammen griffen auf das Gebäude über, Fensterscheiben barsten, Rollläden schmolzen und alles war voll Rauch. Die Menschen mussten ihre Wohnungen noch in der Nacht verlassen und wurden andernorts untergebracht.

„So ein Verwüstungsszenario habe ich noch nie erlebt“, beschrieb es ein Polizeisprecher. „Man kann nur erahnen, mit welcher Wucht der Lkw dort entlang ist. Das hätte ein Horrorszenario werden können, wenn dort mehr Passanten unterwegs gewesen wären.“ Glas, Kunststoffteile, Metall, Auspuffrohre – die Straße war übersät von Splittern und Trümmern. Die Aufräumarbeiten würden sich noch hinziehen, hieß es am Mittwoch, auch wenn in der Nacht schon einige der demolierten Autos abgeschleppt wurden. Der Sattelzug sollte noch im Laufe des Mittwochs mit Hilfe eines Krans geborgen werden. Auch Schäden an der Fahrbahndecke der Straße müssen repariert werden.