Berlin - Ein 32 Jahre alter Mitarbeiter einer Kita in Berlin-Spandau steht weiterhin im Verdacht, mehrere dort betreute Kinder sexuell missbraucht zu haben. In fünf Fällen sei mittlerweile Anzeige erstattet worden. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft gehen drei Tage nach Bekanntwerden des Missbrauchsfalls weiter. Die Kita im Ortsteil Staaken ist geschlossen, die Leitung wurde zeitweise ersetzt.

Die Wohnung des Tatverdächtigen wurde durchsucht, wie die Staatsanwaltschaft Berlin auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt. „Wir haben Datenträger sichergestellt und müssen jetzt Zeugen befragen, auch Kinder“, so Pressesprecher Martin Steltner. Es bestehe Tatverdacht, aber kein dringender Tatverdacht. Der Mann ist deswegen auf freiem Fuß und befindet sich nicht in Untersuchungshaft.

Der Berliner Zeitung liegt ein Schreiben vor, in dem sich der verdächtige Erzieher den Eltern und Großeltern vorstellt. Demnach war der Mann schon in Kitas in Potsdam, Bruck, Charlottenburg, Spandau, Schönholz, Karlshorst, Grunewald und Zehlendorf beschäftigt. Nach eigenen Angaben betreibt er Eiskunstlauf und schreibt Kinderbücher. „Nun darf ich in Eurer Einrichtung den Alltag verschönern“, heißt es in der Selbstbeschreibung. Und adressiert an die Eltern und Großeltern: „Sie kennen mich noch nicht, dann nehmen Sie sich doch bitte 5 Minuten Ihrer kostbaren Zeit und kommen einfach mal auf mich zu.“

Alle Beteiligten erhalten inzwischen umfangreiche psychologische Betreuungsangebote. Eltern, die Kita-Leitung und auch der Träger AWO machen den Ermittlern der Polizei Berlin mittlerweile erhebliche Vorwürfe. Nach den ersten Anzeigen seien sie erst Tage später informiert worden. Ein Sprecher erklärte der Berliner Zeitung auf Anfrage die Verzögerung: „Die Ermittlungen werden geführt vom Fachkommissariat für sexuellen Missbrauch von Kindern. Das ist ein sensibles Thema.“

Die Leitung der Spandauer Kita hatte über den möglichen Missbrauch am Montag auf einer Elternversammlung informiert. Eine Frau soll darauf zusammengebrochen sein und musste von Notfallsanitätern behandelt werden.

Auch in diesem Fall gilt für den Verdächtigen die Unschuldsvermutung.