Berlin - Vier Tage nachdem vor einem Backshop in Berlin-Neukölln ein Angehöriger der arabischstämmigen Großfamilie Abou-Chaker zusammengeschlagen worden war, ist vor dem Laden erneut ein Mann angegriffen worden. Die Polizei prüft nun, ob es sich möglicherweise um einen Racheakt gehandelt haben könnte. „Wir stehen noch am Anfang der Ermittlungen und können deshalb nichts ausschließen“, sagte ein Polizeisprecher der Berliner Zeitung. 

Laut Zeugenaussagen sollen am Sonntag um 17.20 Uhr mehrere Männer in einen Backshop an der Karl-Marx-Straße gestürmt sein. Der Schlägertrupp soll dann mit Baseballschlägern und Macheten gezielt auf einen 44-Jährigen eingeschlagen haben. Außerdem sollen sie das Opfer mit Pfefferspray attackiert haben, hieß es. Bei der Schlägerei wurde zudem ein weiterer Mann, ein 49-Jähriger Gast des Ladens, zusammengeschlagen und verletzt. 

Einige der Täter rannten anschließend weg, die anderen flüchteten in einem BMW, der kurze Zeit später an der Nogatstraße/Kirchhofstraße von Polizisten entdeckt wurde. Bei der Durchsuchung des Fluchtwagens fanden Einsatzkräfte die Schlagwerkzeuge und stellten sie sicher. Ein 21-Jähriger, der sich in der Nähe des Fahrzeuges verdächtig verhalten hatte, wurde vorläufig festgenommen. Er musste kurz darauf wieder freigelassen werden, bliebt aber im Visier der Ermittler, hieß es. 

Zehn Schläger greifen Angehörigen der Abou-Chakers an

Bei der Tat könnte es sich um eine Auseinandersetzung im Clanmilieu handeln. Am Mittwoch vergangener Woche hatte eine zehnköpfige Gruppe einen Angehörigen der Familie Abou-Chaker mit Macheten und Reizgas angegriffen und verletzt. Daraus resultierte ein regelrechte Massenschlägerei. 

Innerhalb weniger Minuten versammelten sich am Tatort knapp 100 Schaulustige. Laut Polizei hatten die alarmierten Einsatzkräfte erhebliche Probleme, den aufgebrachten Mob im Zaum zu halten. Zwei der Gaffer sollen sich in die Schlägerei eingemischt haben. Sie haben laut Polizeiangaben versucht, Mitglieder der zehnköpfigen Gruppe zu schlagen, um den Clan-Angehörigen zu schützen. Erst als Verstärkung kam, konnte die Polizei die Situation unter Kontrolle bringen. 

Da die Polizei nach den Angriffen mit Racheakten und weiteren Auseinandersetzungen im Kiez rechnete, hatte die Behörde in dem Bereich nach eigenen Angaben die Polizeipräsenz erhöht. Am Sonntag waren die Einsatzkräfte dennoch zu spät.