Berlin - Die Bundespolizei ist am Mittwochmorgen in Berlin gegen Menschenhandel, Prostitution und Scheinvaterschaften vorgegangen. Bei einer großangelegten Razzia gegen einen vietnamesischen Schleuserring sind 38 Wohnungen und Büros fast ausschließlich in den Ostbezirken der Hauptstadt durchsucht worden. Außerdem wurden Beweismittel in zwei Objekten in Potsdam, einem in Spremberg sowie in Thüringen sichergestellt. 650 Einsatzkräfte waren an den Durchsuchungen beteiligt. Das teilte die Bundespolizei auf Nachfrage mit.

Die Verdächtigen wurden morgens um 6 Uhr teilweise im Schlaf überrascht, als die Beamten zeitgleich an den Türen klopften. „Bei zwei Einsätzen in Wohnungen mussten wir sehr robust vorgehen, da die Verdächtigen bereits ein sehr langes Strafregister haben“, sagte Bundespolizeisprecher Maik Fischer der Berliner Zeitung. Die Täterinnen und Täter seien besonders perfide vorgegangen, um an die deutsche Staatsbürgerschaft zu kommen.

Vietnamesische Frauen wurden zunächst aus ihrem Heimatland nach Deutschland geschleust. „Um ihr Schuldenkonto bei den Schleusern abzubauen, wurden sie oft zur Prostitution gezwungen“, erklärte Fischer. Im zweiten Schritt ging es darum, Frauen mit Kindern über Scheinvaterschaften hier legal sesshaft zu machen. Sie suchten sich gezielt deutsche Männer, die sich in einer finanziellen Notlage befanden – vor allem Obdachlose und Drogensüchtige.

Polizei: Deutsche Männer erhielten 3000 bis 6000 Euro für Scheinvaterschaft

Nach Angaben der Bundespolizei erkannten die Männer für 3000 bis 6000 Euro Vaterschaften an, obwohl es nicht ihre Kinder waren. Damit wurden die Mütter und Kinder automatisch deutsche Staatsbürger. Für die Vermittlung solcher Scheinvaterschaften werden erfahrungsgemäß Beträge zwischen 5000 und 15.000 Euro verlangt.

Bereits im November 2020 hatten Ermittler der Bundespolizei Beweismittel in Berlin gesichert, die den Verdacht erhärteten, dass illegale Migranten aus Vietnam gegen Bezahlung an Deutsche vermittelt wurden. Die Ermittlungen richten sich gegen 18 deutsche Männer und 23 vietnamesische Frauen. Bei der Razzia wurden zudem 13 illegal eingereiste Menschen ohne Aufenthaltstitel festgestellt.

Bei den von der Berliner Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen Durchsuchungen wurden Dokumente, Handys und Laptops sichergestellt. Die Beweismittel werden nun ausgewertet, Festnahmen gab es zunächst nicht, heißt es.