Berlin - Rund 500 Einsatzkräfte der Polizei sind am frühen Donnerstagmorgen zu einer Razzia gegen kriminelle Clans ausgerückt. Hintergrund der Razzia sind zwei Ermittlungsverfahren: eines wegen einer Auseinandersetzung zwischen arabisch- und tschetschenischstämmigen Personen im November 2020 sowie Ermittlungen des Bundeskriminalamtes und der Generalstaatsanwaltschaft Berlin. Hierbei geht es laut Polizei um Waffen- und Drogenhandel. 22 Objekte wurden gestürmt, an denen 30 Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt wurden. Ein 44- und ein 22-Jähriger wurden verhaftet.

Hunderte Kräfte der Polizei Berlin im Einsatz

Auch Ermittlungen des Finanzamtes im kriminellen Clan-Milieu spielen bei den großangelegten Durchsuchungen eine Rolle. Nach Angaben der Polizei waren seit sechs Uhr mehrere hundert Einsatzkräfte der Polizei Berlin, Spezialeinsatzkräfte, Kräfte der Polizei Brandenburg, des Bundeskriminalamtes, der Bundespolizei und der Steuerfahndung im Einsatz. 

Die Razzia fand in Reinickendorf, Wedding, Moabit, Neukölln, Schöneberg und Spandau statt. Auch in Neu Hardenberg südlich von Berlin wurde ein Objekt durchsucht. Die Beamten des Spezialeinsatzkommandos und der GSG 9 vollstreckten zudem zwei Haftbefehle. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft wird den beiden Männern organisierter Drogen- und Waffenhandel und Körperverletzung vorgeworfen. 

Bundeskriminalamt veröffentlicht Polizeifotos des Einsatzes

Das Bundeskriminalamt informierte auf seiner Facebookseite ausführlich über den Einsatz und veröffentlichte mehrere Fotos von dem Einsatz. Hier war auch die Drogenplantage sowie beschlagnahmtes Marihuana zu sehen. In einem Videostatement äußerte sich zudem Markus Koths, Leiter der Gruppe Deliktsübergreifende Organisierte Kriminalität in der Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität des BKA. 

Nach Informationen der Berliner Zeitung waren die Fahnder in Zusammenhang mit EncroChat-Ermittlungen auf das kriminelle Netzwerk in Berlin gestoßen. Im vergangenen Jahr hatten französische und niederländische Ermittler ein fast ausschließlich von Kriminellen genutztes Kommunikationsnetzwerk zunächst überwacht und dann gesprengt. Es gab mehrere Festnahmen.

Der44-jährige verhaftete Mann, der zu einem polizeibekannten arabischen Clan gehört, ist Beschuldigter in beiden Verfahren. Er soll sowohl bei EncroChat-Ermittlungen aufgetaucht als auch in die Auseinandersetzung mit den Tschetschenen verwickelt sein. Bei der Prügelei  soll er die Körperverletzungstaten begangen haben, obwohl er zur Tatzeit unter Führungsaufsicht stand und mithilfe einer „elektronischen Fußfessel“ beaufsichtigt wurde.

Polizeigewerkschaft warnt vor „schwersten Gewalttaten“

Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagte am Donnerstag: „Wir begrüßen die aktuell laufenden Maßnahmen, weil der Rechtsstaat behördenübergreifend zeigen muss, dass er präsent ist und sich Organisierte Kriminalität nicht lohnt.“ Und weiter: „Tschetschenische Gruppierungen haben sich in den letzten Jahren zunehmend in den Vordergrund gespielt, weil sie auch ein Stück vom Kuchen haben wollen. So ist eine extreme Konkurrenzsituation um kriminelle Geschäftsfelder entstanden, bei der die Beteiligten auch vor schwersten Gewalttaten und Waffeneinsatz nicht zurückschrecken.“

Die heutigen Maßnahmen würden zudem zeigen, dass „arabische Großfamilien in vielen Bereichen aktiv sind und so in mehreren OK-Ermittlungskomplexen auftauchen. Unser Dank gilt den Einsatzkräften, deren Identitätsschutz dank des Einsatzleiters gewahrt ist“.