Knapp drei Monate nachdem ein Passant einen Polizisten beim Sterben gefilmt hatte, hat die Polizei nun ein Phantombild des Verdächtigen veröffentlicht. Dem gesuchten Mann wird unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Er soll in der Nacht des 17. November mit seinem Handy durch das geöffnete Autofenster gefilmt haben, während der Beamte um sein Leben kämpfte. Statt zu helfen oder den Notruf zu wählen, machte er sich lustig über die gesundheitlichen Probleme des Beamten. Der Polizist starb kurz darauf im Krankenhaus, und der Gaffer veröffentlichte die Aufnahmen in den sozialen Netzwerken.

Die Polizei hofft nun auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Ermittler konnten mittlerweile rekonstruieren, woher der Verdächtige kurz zuvor gekommen war. Nach Angaben der Polizei stieg er gegen 2.35 Uhr aus einer Straßenbahn der Linie 1 auf Höhe der Breiten Straße 33 in Pankow aus. Der Triebwagenfahrer musste stoppen, da der Polizist aufgrund von gesundheitlichen Problemen einen Autounfall hatte. Nach dem Verlassen der Tram drehte der Mann laut Polizei die „schrecklichen Szenen, die später unter anderem in den sozialen Netzwerken auftauchten“. Der tragische Tod und die Zurschaustellung lösten nicht nur in der Polizeibehörde Entsetzen aus.

Berlins Polizeipräsidentin: „Dieses Video ist abscheulich“

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik zeigte sich fassungslos: „Dieses Video ist abscheulich, die Veröffentlichung unerträglich! Selbst wenn man einer Fehleinschätzung der Situation unterliegt, ist es widerwärtig, ein solches Video zu erstellen, um damit einen hilflosen Menschen herabzuwürdigen.“ Der Urheber des Videos hatte den Polizisten verspottet. Womöglich ging er davon aus, dass der Beamte betrunken am Steuer saß. Während er den Todeskampf filmte, sagte der Schaulustige: „Dit is die Berliner Polizei, Junge. Völlig besoffen der Typ, Alter.“

Der gesuchte Mann wird auf 35 bis 45 Jahre geschätzt. Er ist etwa 1,75 bis 1,85 Meter groß, hat eine kräftige Statur und war mit einer rot-schwarzen Jacke bekleidet. Die Polizei sucht zudem nach weiteren Fahrgästen aus der Straßenbahn sowie einem unbekannten Helfer, der die Rettungskräfte rief.

Hinweise nimmt die Kriminalpolizei unter den Telefonnummern (030) 4664 173 410 und (030) 4664 171 100 (außerhalb der Bürodienstzeiten) oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.