Berlin - Der Polizei ist ein Schlag gegen eine kriminelle Bande gelungen, die seit knapp drei Jahren bewaffnete Überfälle in Wohnungen, Einfamilienhäuser und Juweliergeschäfte begangen haben soll. Dabei sollen sich die Räuber auch als Polizisten verkleidet haben. Im Visier der Ermittler sind ein Dutzend Männer. Beamte von Spezialeinsatzkommandos holten einige von ihnen am Donnerstagmorgen unsanft aus ihren Betten. 

Rund 300 Einsatzkräfte vollstreckten nach Angaben der Staatsanwaltschaft Berlin in den frühen Morgenstunden drei Haftbefehle und 27 Durchsuchungsbeschlüsse, davon drei in Brandenburg und Niedersachsen. Ermittlungen der Brandenburg Polizei und der Staatsanwaltschaft Berlin hatten die Einsatzkräfte auf die Spur von insgesamt zwölf Männern im Alter von 22 bis 62 Jahren gebracht, teilten die Ermittlungsbehörden am Nachmittag mit.

Die Verdächtigen sollen laut Staatsanwaltschaft seit 2018 für zahlreiche Raubüberfälle in Berlin und Brandenburger verantwortlich sein. Auf ihren Raubzügen sollen sie hochwertigen Schmuck und teure Uhren erbeutet haben. Die Gegenstände sollen sie später in einem Juweliergeschäft verkauft haben. Einige der Männer stehen zudem im Verdacht, in Wohnungen eingebrochen und ein Auto angezündet zu haben.

Überfälle in Polizei-Uniform: Täter schreckten nicht vor Gewalt zurück 

Viele Opfer seien mit Schusswaffen bedroht, geschlagen, getreten und gefesselt worden. Dabei sollen die Verdächtigen äußerst geplant vorgegangen sein. In der Ausführung schreckten sie nicht vor Gewalt zurück, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. So sollen die Männer die Taten häufig „mit polizeiuniformähnlicher Bekleidung“ begangen haben. Die Verkleidungen sollen auf die Opfer sehr authentisch und glaubhaft gewirkt habe, so der Sprecher. Die Bande erbeutete Gegenstände im Wert von mehr als einer Million Euro.

Bei einem ihrer Raubzüge sollen drei der Verdächtigen Mitte Dezember einen Juwelier an der Berkaer Straße in Schmargendorf überfallen haben. Die Räuber hatten eine Frau zu Boden gestoßen und den 68-jährigen Inhaber mit einer Schusswaffe bedroht. Die beiden Opfer wurden gefesselt, die Täter entkamen damals unerkannt. Die Versicherung des Juweliers hatte daraufhin 25.000 Euro Belohnung für Hinweise zur Beute oder den Tätern ausgelobt. Ob jemand der Polizei daraufhin einen Tipp gab, wollte die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht kommentieren. 

Ob es sich bei dem Trio um die drei Haupttatverdächtigen handelte, die am heutigen Donnerstag verhaftet wurden, war zunächst unklar. Die Männer im Alter von 35, 38 und 51 Jahren wurden von Polizisten überwältigt und sollten kurz darauf einem Haftrichter vorgeführt werden.

Bei den Durchsuchungen konnte laut Staatsanwaltschaft umfangreiches Beweismaterial sichergestellt werden – darunter zwei scharfe Schusswaffen, diverse Schreckschusspistolen und 1,5 Kilogramm Marihuana.