Berlin - Etwa 100 Beamte der Polizei Berlin durchsuchen seit dem Donnerstagmorgen zwei Wohnungen in Neukölln. Eine Wohnung befindet sich in der Sonnenallee, die andere in der Wildenbruchstraße. Zu letzterer Wohnung musste das SEK hinzugezogen werden. Das bestätigte eine Sprecherin der Berliner Zeitung. „Es geht bei den Einsätzen darum, Beweismittel zu sichern, die den dringenden Tatverdacht der vorsätzlichen Brandstiftung an Fahrzeugen untermauern“, so die Sprecherin weiter. Die Männer im Alter von 30 und 43 Jahren sollen zu einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie gehören.  

Hintergrund ist eine Brandserie im Norden von Neukölln seit Dezember 2020, für die die Polizei Berlin zur Aufklärung eine eigene Ermittlungseinheit gegründet hat. Es geht bei den Ermittlungen um 18 Autobrände an elf Orten.   

Autobrände: Straftaten für arabische Clans eher untypisch

Nach ersten Erkenntnisse handelten die Täter nicht aus politischen Motiven, so die Polizei. Für Mitglieder arabischstämmiger Großfamilien wäre das auch eher untypisch. Ob es etwa um Erpressung, Versicherungsbetrug, Vandalismus, die Ablenkung der Polizei von anderen Straftaten oder eine Verunsicherung von Gegnern in der kriminellen Szene ging, ist noch offen. Erkenntnisse zur Motivation der Täter lägen noch nicht vor, sagte eine Sprecherin.

In Berlin werden fast in jeder Nacht Autos angezündet. Im vergangenen Jahr gab es laut Polizei insgesamt 382 Fälle von Brandstiftungen an Autos, bei denen 426 Fahrzeuge angezündet wurden (2019: 343 Fälle, 358 Kfz angezündet). Zahlreiche weitere Autos wurden dabei durch Flammen und Hitze zerstört oder beschädigt.

Nur 44 dieser Fälle ordnete die Polizei politisch motivierten Tätern aus der extremistischen Szene zu. Für diese Taten sind vor allem Linksextremisten verantwortlich. Hierbei sind die Ziele oft Autos und Transporter bestimmter Firmen aus den Bereichen Immobilien, Rüstung, Telekommunikation oder von der Deutschen Bahn. Die politischen Brandanschläge werden fast nie aufgeklärt, wie kürzlich aus Angaben der Polizei und des Senats auf Anfragen der CDU hervorging. Zu 125 dieser Anschläge in den vergangenen sechs Jahren fasste die Polizei nur einen Verdächtigen aus der linksradikalen Szene.

Zu den anderen Brandstiftungen wurden bei etwa 1700 Fällen in sechs Jahren 198 mutmaßliche Täter ermittelt. Die Motive waren Vandalismus, Versicherungsbetrug, Rache, Geltungssucht oder Frustration. Die meisten Autos wurden in Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg angezündet.