Berlin - Die Polizeigewerkschaften fordern für das kommende Silvester lokale Böllerverbote. „Wir fordern die Kommunen auf, sogenannte Böllerverbote möglichst restriktiv auszusprechen und genügend Ordnungskräfte zur Überwachung bereitzuhalten“, sagte Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Angesichts der steigenden Infektionszahlen durch Corona ist es ohnehin derzeit nicht angezeigt, sich in großen Gruppen zu treffen und die Risiken noch zu vergrößern“, argumentierte Wendt.

Schon im vergangenen Jahr war es zum Jahreswechsel ruhiger als sonst: Auf vielen belebten Straßen und Plätzen durften keine Böller und Raketen gezündet werden. Wo genau, legten Städte und Gemeinden fest. Die in der Corona-Pandemie sowieso stark geforderten Krankenhäuser sollten nicht durch weitere Verletzte belastet werden. Deshalb durfte auch deutschlandweit kein Feuerwerk der Kategorie F2 verkauft werden, also kein klassisches Silvesterfeuerwerk wie Raketen, Knaller oder Batterien. Mitten im Winter-Lockdown galten zudem Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen.

Fahnder beschlagnahmen 120 Tonnen illegale Böller im Grenzgebiet

Diskussionen über Böller gibt es aber seit Jahren. Kritiker führen neben der Verletzungsgefahr unter anderem den Lärm, Brände und die Umweltbelastung an – auch außerhalb Deutschlands. Amsterdam beispielsweise hat die Knallerei mittlerweile verboten. Stattdessen soll es Feuerwerkshows an zentralen Orten geben.

Ein gutes Beispiel, findet der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek: Die Entscheidung sei „unter dem Aspekt der Sicherheit total nachvollziehbar und aus unserer Sicht nachahmenswert“, sagte er der NOZ. „Niemand will den Menschen die Feierfreude an Silvester nehmen.“ Feuerwerk kontrolliert an zentralen Orten abzubrennen sei eine „sichere Alternative zur klassischen Böllerei“. Und: „Es muss ja nicht immer knallen. Eine Laser-Show mit musikalischer Untermalung ist auch eine denkbare Alternative.“

In den Niederlanden gelten bereits restriktive Regeln für Verkauf und Nutzung von Böllern und Raketen, sodass schon seit Jahren weit vor dem Jahreswechsel eine illegale Einfuhr über die Grenzen einsetzt. Fahnder beschlagnahmten nun im deutschen Grenzgebiet zu den Niederlanden in einer Bunkeranlage 120 Tonnen illegale Böller. Vermutet werde, dass die Böller und Kracher für den Schwarzmarkt in den Niederlanden bestimmt waren, teilte die niederländische Polizei mit.

Festnahmen nach den grenzüberschreitenden Ermittlungen würden nicht ausgeschlossen. Die Bunker befinden sich nahe Rheine in Westfalen, wie die niederländische Nachrichtenagentur ANP berichtete. Die örtliche Polizei konnte am Samstag zu den Ermittlungen im Detail nichts sagen.

Wie die federführende Polizei in Rotterdam mitteilte, werden zur Lagerung der illegalen Böller ausgediente Bunker in Belgien und Deutschland in Grenznähe genutzt. Teils gebe es dort eine Genehmigung zur Lagerung legaler Feuerwerkskörper. Bei den Ermittlungen nun seien aber auch verbotene Kracher entdeckt worden, teils mit falscher Etikettierung. Zwischenhändler würden die illegale Ware dort mit Privatwagen abholen.