Berlin - Eine Frau meldet zwei Obdachlose mit Fußpilz, die ein Baby im Kinderwagen durch die Gegend schieben. In Kaulsdorf bekommen es Polizisten mit einem Boxer zu tun. Und in Tempelhof randaliert seit gestern ein junger Mann vor der Wohnung seiner Mutter, weil sie ihn nicht reinlässt. Der Twitter-Marathon ist auf dem Kanal @PolizeiBerlin_E am Freitag um 11 Uhr unterhaltsam gestartet. Seitdem feuert das Social-Media-Team der Behörde ein regelrechtes Feuerwerk an eingehenden Anrufen ab. Die Aktion zeigt mitunter, wie wild und verrückt diese Stadt ist.

Schnell wird aber auch klar, dass nicht alle aufgeregten Anrufer die Lage richtig einschätzen. Die alarmierten Streifenpolizisten bringen Minuten später Klarheit: So waren die Obdachlosen zwar mit Fußpilz unterwegs – aber statt einem Baby lag nur Leergut im Kinderwagen. Der Boxer in Kaulsdorf war nicht gefährlich, sondern ziemlich klein, weiß behaart und suchte sein Herrchen.

Die Meldungen finden Anklang in der Twitter-Gemeinde. Kurz darauf ploppt auf, dass zehn bis 20 Schüler vor einem Weddinger Spätkauf direkt vor einer Schule aufeinander losgegangen sind. Der Kommentar des Social-Media-Teams: „Da bleibt’s nicht beim Eintrag ins Klassenbuch.“ In Neukölln beschwert sich eine Frau über einen dreitägigen Grillmarathon. So geht es alle paar Minuten weiter – Diebstahl, Schlägereien, Lärmbelästigung, Betrunkene, Unfälle, Feuer und so weiter.

Derartige Twitter-Aktionen der Polizei zeigen nicht nur, was täglich in Berlin so abgeht, erklärt eine Polizeisprecherin. Kampagnen wie zum Beispiel #24hPolizei oder #NoNotruf dienen vor allem dazu, dass die Berliner für einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Notruf sensibilisiert werden.

Ein bisschen Eigennutz ist auch dabei. Mit der Twitter-Aktion soll der Job als Polizistin oder Polizist schmackhaft gemacht werden. Gute Werbung braucht es auf jeden Fall. Denn jedes Jahr sucht die Behörde händeringend nach geeignetem Nachwuchs. Immer wieder mangelt es an guten Bewerberinnen und Bewerbern, hieß es zuletzt aus Polizeikreisen. Eine junge Polizistin berichtet deshalb seit Anfang September auf ihrem Instagram-Profil über die Verbrecherjagd in Berlin. Sie will insbesondere jungen Leuten einen Einblick in die Arbeit zu geben.

Die Twitter-Aktion endet laut Polizei am heutigen Freitagabend um 21 Uhr. Der Twitter-Marathon wird erstmalig fast bundesweit umgesetzt: Unter dem gemeinsamen Hashtag #polizei110 veröffentlichen auch die Bundesländer Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern und die Bundespolizei die meisten ihrer eingehenden Notrufe.