Berlin - Auf dem Berliner Kurfürstendamm ist am Freitagvormittag ein Geldtransporter überfallen worden. Mehrere bewaffnete Täter haben Geldkassetten erbeutet und sind geflüchtet, wie ein Polizeisprecher der Berliner Zeitung bestätigte. Zwei Wachleute wurden dabei mit Reizgas verletzt und mussten in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Überfall geschah vor einer Volksbank an der Ecke Bleibtreustraße. Der Alarm ging bei der Polizei gegen 10 Uhr ein.

Auf einem Video, das der Berliner Zeitung vorliegt, sind vier Täter zu sehen. Sie tragen orangefarbene Warnwesten und erinnern auf den ersten Blick an Mitarbeiter der BSR. Ob die Täter sich bewusst als BSR-Mitarbeiter getarnt haben, ist unklar. Dann ist auf dem Video zu sehen, wie die Männer einen weißen Sack von dem Geldtransporter wegziehen, wie er etwa zum Abtransport von Bauschutt verwendet wird. Dann bricht das Video ab.

Nach Informationen der Berliner Zeitung zum Tathergang sprühten die Räuber einem Sicherheitsmitarbeiter, der gerade die Volksbank mit einer Geldkassette verließ, Pfefferspray ins Gesicht. Der Mann hatte zuvor keinen Verdacht geschöpft. Die Täter wiesen den Sicherheitsmitarbeiter an, sich auf den Boden zu legen und sich still zu verhalten. Als die Räuber die Geldkassetten in den Kofferraum ihres Fluchtfahrzeugs legen wollten, erwies sich dieser als zu klein. Er ließ sich nicht mehr schließen. Dies erinnert an einen Überfall am Alexanderplatz, wo sich die Täter mit einem ähnlichen Problem konfrontiert sahen. Laut Augenzeugenberichten flohen die Täter in einem Audi.   

Tatfahrzeug nach ersten Erkenntnissen in Brand gesteckt

Foto: Morris Pudwell
Einsatzkräfte der Polizei stehen an einem ausgebrannten Autowrack in der Bessermerstraße. Es soll sich um das Fluchtfahrzeug der Kudamm-Räuber handeln. Die Polizei überprüft das Wrack derzeit.

Im Zuge der polizeilichen Ermittlungen untersuchten Beamte zunächst zwei abgestellte Autos, bei denen es den Verdacht gab, dass es sich um Fluchtfahrzeuge handeln könnte. Eines der Autos befand sich in der Urbanstraße. In diesem Fall habe sich der Verdacht jedoch nicht bestätigt, so eine Polizeisprecherin. Das andere Fahrzeug, offenbar ein gestohlener Audi, ist ausgebrannt und steht in der Schöneberger Bessemerstraße. Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf dieses Auto. „Hier haben sich die Hinweise verdichtet“, so eine Polizeisprecherin. Das Fahrzeug werde beschlagnahmt, untersucht und auf ein gesichertes Gelände gebracht.

Nach Informationen der Berliner Zeitung wird unter anderem ein Zusammenhang zur Clan-Kriminalität geprüft. Die Polizei will im Laufe des Freitags weitere Informationen bekanntgeben und sammelt derzeit noch Hinweise, Fotos und Videos von der Tat. Dafür hat sie ein Hinweisportal freigeschaltet. Die beiden Wachleute konnten am späten Nachmittag das Krankenhaus wieder verlassen.

Foto: Morris Pudwell
Mitarbeiter der Spurensicherung untersuchen den Geldtransporter.