Berlin - Der amtierende Polizeipräsident von Göttingen hat in einem Interview gesagt, er verliere aktuell das Vertrauen in den Staat ein klein wenig. Das sagt Uwe Lührig in einem Interview mit der Bild. Am 22. November 2020 starb der Vater des 1957 geborenen Polizeipräsidenten. Im Januar verschickten die Behörden dennoch einen Brief an den Toten, in dem ihm ein Impftermin für den 28. Januar mitgeteilt wurde. Seine noch lebende Mutter hingegen habe bisher trotz Nachfragen bei den Behörden keinen Impftermin erhalten. 

„Was alles schiefläuft, kann ich nicht sagen, aber in diesem Fall läuft einiges schief“, sagt Polizeipräsident Lührig. Er habe zudem in seinem Bekanntenkreis von weiteren Fällen gehört, in denen bereits Verstorbene Impftermine bekommen hätten. Der nach Aussage des Polizisten „krasseste Fall“ sei gewesen, als der Vater eines Bekannten ebenfalls einen Brief mit Impftermin bekommen habe. Zu diesem Zeitpunkt war der Vater aber bereits vier Jahre tot. „Das kann natürlich nicht sein, das muss man in aller Deutlichkeit herausstellen“, sagt Lührig. 

Polizeichef erwartet, dass die Impfungen mit System und Struktur beginnen

Der Moderator will daraufhin wissen, ob Lührig als Polizeichef nun den Glauben an den Staat verliere. Daraufhin antwortet Uwe Lührig: „Ja, den Glauben verliere ich, glaube ich, nicht, aber das Vertrauen verliere ich schon ein klein wenig. Ich kann nur sagen, das, was ich auch aus meinem Bekanntenkreis und aus dem Nachbarschaftskreis höre, dass man eben dieses Vertrauen verloren hat.“

Der Polizeipräsident betont: „Ich bin kein Querdenker, ich habe alle Maßnahmen mitgemacht, ich achte auch darauf, dass die Kontaktbeschränkungen eingehalten werden. Ich bin der Erste, der mit Maske rumgelaufen ist.“ Aber er erwarte jetzt auch, dass „langsam auch die Impfungen beginnen, und zwar strukturiert und mit einem System“.