„Populistisches Geschwätz“: Berliner Beamte „stinkesauer“ auf Bettina Jarasch

Die grüne Verkehrssenatorin erwartet „Lust an Verantwortungsübernahme“ von Berliner Beamten. Mehr Personal oder Geld soll es aber nicht geben. Jetzt reagieren die Beamten.

Bettina Jarasch (Bündnis 90/Die Grünen), Berliner Senatorin für Umwelt, Verkehr, Klima- und Verbraucherschutz.
Bettina Jarasch (Bündnis 90/Die Grünen), Berliner Senatorin für Umwelt, Verkehr, Klima- und Verbraucherschutz.dpa/Sören Stache

Der Berliner Beamtenbund hat die jüngsten Äußerungen von Bettina Jarasch (Bündnis 90/Die Grünen) zum Reformbedarf der Berliner Verwaltung scharf verurteilt. Laut einem Bericht der B.Z. bemängelte die Grüne-Spitzenkandidatin für die Wiederholungswahl des Abgeordnetenhauses die mangelnde Motivation bei Berliner Beamten.

Jarasch fordert laut dem Blatt: „Wir müssen Berlins Verwaltung wieder zum Laufen bringen.“ Seit der Jahrtausendwende gebe es nur „ein Herum-Doktern an bestehenden Strukturen“, so die Politikerin. Als Zeitrahmen für eine modernisierte Verwaltung gibt sie fünf Jahre an. Sie brachte bei der Pressekonferenz auch ihre Unzufriedenheit mit der Arbeit der Berliner Verwaltungsangestellten indirekt zum Ausdruck. Es brauche eine Lust an Verantwortungsübernahme, so Bettina Jarasch. „Die Arbeit in der Verwaltung ist sinnstiftend und muss Freude machen.“

Die Personaldecke werde sie jedoch nicht erhöhen und auch Gehaltserhöhungen seien ausgeschlossen: „Wir können einfach nicht einen solchen großen Schluck aus der Pulle zusagen“, sagte die Politikerin demnach.

Berliner Beamte „stinkesauer“ auf Berliner Politik

Der Deutsche Beamtenbund (dbb) ist angesichts dieser Aussagen empört. In einer Pressemitteilung teilt dbb-Landeschef Frank Becker mit: „Nicht nur der dbb Berlin ist schon lange stinkesauer, wie die Verantwortlichen in der Berliner Politik mit ihren Beschäftigten umspringen. Die Kolleginnen und Kollegen, denen die Politik trotz äußerst angespannter Personaldecke ständig neue Aufgaben aufbürdet, haben für derlei unqualifizierte Aussagen keinerlei Verständnis mehr.“

Er fordert, das Land solle endlich begreifen, dass „der akute Personalmangel nicht ohne adäquate Arbeitsbedingungen abgebaut werden kann“. Den Grund für Engpässe und Verzögerungen im Verwaltungsablauf sieht der dbb im Versagen der Berliner Politik in Sachen Personalentwicklung und Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung.

Berliner Beamtenbund: „Das geht gar nicht Frau Jarasch!“

Einen weiteren Kritikpunkt sieht Becker in der Bezahlung von Berliner Beamten. Diese würden deutlich unter dem Tarif des Bundes bezahlt. „Keine verfassungsgemäße Besoldung zahlen wollen, weil man keinen finanziellen Spielraum für Gehaltserhöhungen habe, aber von den Beschäftigten eine hohe Motivation verlangen. Das geht gar nicht Frau Jarasch!“, so Becker laut dbb. Das werde allenfalls noch die letzten Bewerber verschrecken.


Empfehlungen vom Ticketshop: