München - Aus Expertensicht ist die Sucht nach Internet-Pornos zu einem immer größeren Problem für die Gesellschaft geworden. Insbesondere in Zeiten von Homeoffice und spärlichen Freizeitmöglichkeiten greifen viele Menschen zur Unterhaltung häufiger auf Pornos zurück. Manche Konsumenten könnten dabei eine handfeste Sucht entwickeln.

Die Nachfrage nach Internet-Pornografie ist derzeit auf einem Rekordstand. „Wenn man sich die Nutzerangaben von Seiten wie Pornhub anschaut, sieht man: Im Rahmen des Lockdowns kommen in allen Ländern noch mal 10 Prozent dazu“, sagt etwa die Münchner Neurologin und Psychotherapeutin Heike Melzer.

Existenzen durch Porno-Sucht gefährdet

„Es ist viel gefährlicher, wenn von zu Hause aus gearbeitet wird, weil dann das soziale Korrektiv wegfällt und man vielleicht schon während der Arbeitszeit zwischendurch wieder auf die Pornos zurückgreift“, so Melzer. Schon ohne soziale Isolation und die Konzentration auf das Digitale in der Corona-Krise sei Pornografie-Sucht zu einem großen gesellschaftlichen Problem geworden. Der Präsident des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie, Peter Stippl, sprach von „grauenhaften Auswüchsen“. Ganze Existenzen würden so gefährdet.

So finden Sie heraus, ob Sie pornosüchtig sind

Die Techniker Krankenkasse weist auf ihrer Internetseite darauf hin, dass ein sicheres Anzeichen einer Pornosucht sei, wenn Betroffene versuchen mit dem Konsum von Pornos aufzuhören und merken, dass sie es einfach nicht schaffen. 

Darüber hinaus sollten bei Porno-Freunden die Alarmglocken läuten, wenn sexuelle Fantasien anfangen, sich wie ein roter Faden durch den Tag zu ziehen. Wenn Konsumenten zunehmend Zeit für die Suche nach immer intensiveren Reizen aufwenden und sich ihre Toleranzgrenze sich weiter nach oben schiebe, sei überdies Vorsicht geboten.

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Wirken viele Lebensbereiche langweilig auf Sie?

Der Ärzte-Blog PraktischArzt warnt, dass sich eine Pornosucht auch etwa dadurch andeuten kann, dass alle anderen Lebensbereiche auf Betroffene plötzlich langweilig wirken. Die benötigte Energie für den Alltag ziehen Süchtige hauptsächlich aus ihrem Pornografie-Konsum. Ihr wahres Bedürfnis nach sexuellem Erleben könne Pornografie für Betroffene allerdings nicht befriedigen. Daher wachse stetig das Bedürfnis nach mehr.

Experten: Pornosucht muss offiziell anerkannt werden

Negative Konsequenzen in der Schule, im Beruf, für Gesundheit, Beziehungen, Finanzen oder Konflikte mit dem Gesetz könnten folgen. Es drohe der totale Kontrollverlust, heißt es auf der Seite der Techniker Krankenkasse, denn sexuelle Fantasien und Verhaltensweisen können bei Pornosüchtigen trotz negativer Folgen nicht mehr ausreichend gesteuert werden.

Aus Sicht der Experten ist es an der Zeit, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Problem als Sucht offiziell anerkennt. „Es ist notwendig, dass man darauf gesellschaftlich und politisch reagiert“, betonte Stippl.