Das Expeditionsschiff „Polarstern“: 20 Nationen waren an der Forschung in der Zentralarktis beteiligt.
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PotsdamDie Brandenburger Landesregierung will die Polarforschung am Potsdamer Alfred-Wegener-Institut (AWI) mit einem Millionenbetrag fördern. „Wir investieren 1,5 Millionen Euro in ein neues Potsdamer InnoLab für Arktisforschung am AWI“, sagte Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) am Montag in Potsdam. Dort sollen die Polar-Kompetenzen des Instituts gebündelt werden.

„Zusammen mit den klugen Köpfen des Deutschen Geoforschungszentrums, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam vereint sich auf dem Telegrafenberg die wissenschaftliche Klimaexpertise“, erläuterte Schüle das Konzept des InnoLabs. Die in der vergangenen Woche beendete Expedition „Polarstern“ in der Zentralarktis war vom AWI im Wissenschaftszentrum auf dem Potsdamer Telegrafenberg koordiniert worden.

„Die Expedition war ein historischer Meilenstein der Polarforschung“, sagte Professor Markus Rex, Leiter der Arktisexpedition auf dem Forschungsschiff „Polarstern“. „20 Nationen haben sich für diese Expedition zusammengeschlossen und rund 450 Wissenschaftler aus 37 Nationen haben während der Expedition geforscht.“ Dabei seien rund 10.000 Proben genommen worden, die die Wissenschaft noch Jahrzehnte beschäftigen würden, erklärte Rex.

Die Teilnehmer hätten die Folgen der Klimaerwärmung direkt vor Augen gehabt, sagte Rex. „Im Sommer war das Eis der Arktis selbst direkt am Nordpol völlig aufgeschmolzen und erodiert“, sagte er. „Wenn wir die Klimaerwärmung nicht sofort und massiv bekämpfen, wird das arktische Eis im Sommer bald verschwunden sein, mit unabsehbaren Folgen für Wetter und Klima, auch bei uns. Das hätte nach unseren Erkenntnissen eine Verstärkung der Wetterextreme in unseren Breiten zur Folge“, warnte Rex.

Schüle richtete die ernste Mahnung an die Politik, Verantwortung für notwendige Entscheidungen zu übernehmen. „Manchmal habe ich den Eindruck, dass sich Mitglieder meines Berufsstandes hinter dem Rücken der Wissenschaftler verstecken wollen“, meinte die Ministerin. Die Wissenschaft müsse Erkenntnisse liefern und im besten Fall Handlungsempfehlungen geben. „Doch die Politik muss Kompromisse finden und die Entscheidungen für den Zusammenhalt der Gesellschaft treffen“, betonte Schüle.