Ein Wähler trägt Einmalhandschuhe während er seinen Stimmzettel für die Präsidentschaftswahlen in Polen in einer Wahlurne wirft.
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WarschauIn Polen hat am Sonntag die Stichwahl um das Präsidentschaftsamt begonnen. Die Abstimmung dürfte für die regierende nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) zur Zitterpartie werden: Laut Umfragen ist mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem ihr nahestehenden Amtsinhaber Duda und seinem liberalen Herausforderer Rafal Trzaskowski zu rechnen. Erste Hochrechnungen werden nach der Schließung der Wahllokale um 21 Uhr erwartet.

Polnische Medien zeichneten am Wahltag das Bild einer gespaltenen Gesellschaft. Die Boulevard-Zeitung Super Express titelte anlässlich der Stichwahl mit der Schlagzeile „Der Kampf um Polen“. Die liberale Gazeta Wyborcza sah die Wähler vor einer Abstimmung zwischen „Hoffnung und einem Desaster“. Das Wahlergebnis werde noch Generationen prägen, schrieb die Zeitung weiter.

Im Wahlkampf warb Duda mit einer Fortsetzung der Sozialpolitik der PiS-Regierung. Die Nationalkonservativen haben in den vergangenen Jahren unter anderem ein Kindergeld in Höhe von rund 113 Euro pro Kind, eine 13. Rentenzahlung und Steuererleichterungen für Berufsanfänger eingeführt. Der 48-jährige Jurist steht außerdem für ein sehr konservatives Familienbild: Duda will in der Verfassung verankern lassen, dass gleichgeschlechtliche Paare keine Kinder adoptieren dürfen.

Rafal Trzaskowski dagegen will das Land wieder stärker an die EU annähern. Die umstrittene Justizreform der PiS, die Warschau auf Konfrontationskurs mit Brüssel gebracht hat, will er rückgängig machen. Außerdem plädiert er für die Einführung eingetragener Partnerschaften, auch für gleichgeschlechtliche Paare.

In der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 28. Juni war Duda auf 43,5 Prozent der Stimmen gekommen, auf Trzaskowski entfielen 30,4 Prozent. Duda hatte im Wahlkampf auf die Verteidigung konservativer Werte gesetzt – und auf antideutsche Stimmung. Deutschen Medien warf er eine „Attacke“ gegen Polen vor. Wegen angeblicher „manipulativer“ Berichterstattung zur polnischen Präsidentschaftswahl in deutschen Zeitungen hatte das Außenministerium in Warschau am vergangenen Mittwoch einen deutschen Diplomaten einbestellt.