Berlin - Gut ein halbes Jahr nach Beginn ihrer zweiten Amtszeit hat Sabine Kunst, Präsidentin der Berliner Humboldt-Universität, ihren Rücktritt angekündigt. Als Grund nannte sie die Novelle des Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG). „Persönlich halte ich die wissenschaftspolitischen Weichenstellungen des BerlHG für gut gemeint aber schlecht gemacht“, hieß es in einer Erklärung der Präsidentin auf den Seiten der Universität. Zum Ende des Jahres will Kunst ihr Amt niederlegen.

Die Änderungen in ihrer Gesamtheit gefährdeten die exzellente Weiterentwicklung der Humboldt-Universität und den Wissenschaftsstandort Berlin. „Auf der Grundlage meiner Erfahrungen und Überzeugungen kann ich diese politische Entscheidung nicht mittragen und trete deshalb von meinem Amt zurück“, erklärte Kunst. Für tiefgreifende Veränderungen im Sinne des neuen Gesetzes reiche die Finanzierung nicht aus.

Kunst: Aktuelle Strukturen seien nicht für Änderung ausgerichtet

Die Novelle des BerlHG führe unter anderem zu einer Änderung der Personalstrukturen der Universität. Die Zahl von unbefristet beschäftigten wissenschaftlichen Mitarbeitern werde sich über die nächsten Jahre hinweg deutlich erhöhen. „Darauf sind unsere aktuellen Strukturen aber nicht ausgerichtet“, so Kunst.

Es sei an den Wissenschaftspolitikern im Land aber auch im Bund, Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Berliner und des deutschen Wissenschaftssystems zu gestalten und die Hochschulen mit den Herausforderungen der Neuausrichtungen nicht alleinzulassen. Sabine Kunst ist seit Mai 2016 Präsidentin der Humboldt-Universität. Ihre zweite fünfjährige Amtszeit begann am 11. Mai 2021.

CDU-Politiker Grasse: Rücktritt sei ein „Tiefschlag für Berlin“

Der forschungspolitische Sprecher der Berliner CDU-Fraktion, Adrian Grasse, erklärte in einem Statement, dass der Rücktritt von Präsidentin Sabine Kunst ein „Tiefschlag für die Wissenschaftsstadt Berlin“ sei. Zugleich sei er das Ergebnis der wissenschaftspolitischen Fehlentscheidungen des rot-rot-grünen Senats. „Dass die Präsidenten einer Exzellenzuniversität ihr Amt niederlegt, weil sie die jüngste Novelle des Hochschulgesetzes nicht mittragen kann, ist eine schallende Ohrfeige für SPD, Linke und Grüne“, so Grasse weiter. 

Auch den SPD-Wissenschaftssenator und scheidenden Regierenden Bürgermeister Berlins, Michael Müller (SPD), zieht Grasse zur Verantwortung: Nach fünf Jahren unter Müller seien die Hochschulen in keiner guten Verfassung. 

Die Novelle des Berliner Hochschulgesetzes bezeichnet Grasse als „Fehler, den SPD, Linke und Grüne zu verantworten“ hätten. Der Rücktritt von HU-Präsidentin Kunst müsse als „deutlicher Warnschuss“ verstanden werden, „der Konsequenzen nach sich ziehen muss“, meint Grasse.