Nach der Verurteilung eines katholischen Priesters aus dem Erzbistum Köln wegen jahrzehntelangen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen wird nun möglicherweise auch gegen die Bistumsleitung ermittelt. Mehrere Personen hätten Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Köln gegen den Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki und andere führende Bistumsvertreter wegen ihres Umgangs mit dem Fall des Missbrauchsserientäters U. eingereicht, berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger (Mittwoch). Die Anzeige-Erstattenden sähen im Verhalten der Bistumsleitung eine vorsätzliche Beihilfe durch Unterlassen oder auch eine fahrlässige Körperverletzung zulasten der Opfer.

Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer konnte am Mittwoch den Eingang der Anzeigen noch nicht bestätigen. Unabhängig davon werde die Staatsanwaltschaft nach Vorliegen der schriftlichen Urteilsbegründung von Amts wegen prüfen, ob sich aus dem Verfahrenskomplex konkrete Anhaltspunkte für das Vorliegen weiterer Straftaten ergeben und ob dementsprechend Ermittlungsverfahren gegen weitere Personen aufzunehmen sind, bestätigte der Gerichtssprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Woelki hat dem Papst seinen Rücktritt angeboten

Das Kölner Landgericht hatte den ehemaligen Pfarrer wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen in insgesamt 110 Fällen zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. (AZ: 102 KLs 17/20) Die 2. Strafkammer sah es als erwiesen an, dass sich der Geistliche zwischen 1993 und 2018 an insgesamt neun Mädchen vergangen hatte. Während des Prozesses waren auch Versäumnisse der Bistumsleitung bei der Aufklärung von Verdachtsmomenten und der Kontrolle des Täters zu Sprache gekommen.

Woelki war am Mittwoch nach einer fünfmonatigen Auszeit in sein Amt zurückgekehrt und hatte bekannt gegeben, dass er dem Papst seinen Rücktritt angeboten hat.