Berlin - Bei einer pro-palästinensischen Demonstration in Berlin mit nach Polizeiangaben rund 3500 Teilnehmern ist es am Samstag zu massiven Ausschreitungen gekommen. Dabei habe es mehrere Verletzte und Festnahmen gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Zahlen dazu nannte er nicht. Aus den Reihen der Demonstranten, die sich vor dem Hintergrund der Gewalteskalation zwischen Israel und der Hamas zum Protest versammelt hatten, flogen Flaschen, Steine, Bauschilder und Feuerwerkskörper gegen die Sicherheitskräfte. Teilnehmer schlugen auf Polizisten ein, die Polizei antwortete unter anderem mit Pfefferspray.

Polizei löst Demo in Neukölln auf

Die Polizei hatte den Protest wegen des Verstoßes gegen die Corona-Hygieneregeln für aufgelöst erklärt. Da sich Demonstrationsteilnehmer nicht an die Anordnung hielten, schritten die Beamten auf der Sonnenallee in der Nähe des Hermannplatzes gegen sie ein. Aus der Demonstration wurden Rufe wie „Kindermörder Israel“, „Frauenmörder Israel“ und „Free Palestine“ laut. Im Laufe des Nachmittags verstärkte die Polizei ihre Einsatzkräfte von 360 auf 600 Beamte.

Insgesamt waren am Samstag drei pro-palästinensische Demonstrationen angemeldet. Am Nachmittag zogen nach Polizeiangaben rund 2500 Menschen vom Oranienplatz zum Hermannplatz. Bei einem ersten Protestzug, der 13 Uhr am Hermannplatz startete und bis zum Rathaus Neukölln zog, blieb es weitestgehend friedlich. Angemeldet waren 150 Teilnehmer, vor Ort waren rund 120 Personen am Demozug beteiligt.

Die Demonstranten forderten „Freiheit für Palästina“ und erinnerten an die „Nakba“ (deutsch: Katastrophe). Am 15. Mai gedenken die Palästinenser damit der Vertreibung und Flucht Hunderttausender Landsleute im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948.

Israelfeindliche und gewaltverherrlichende Parolen bei Demo am Freitag

Bereits am Freitag hatten rund 750 Menschen in Neukölln demonstriert. Laut Polizei kam es dabei zu israelfeindlichen und gewaltverherrlichenden Parolen. Bei 192 Personen nahm die Polizei zudem Ordnungswidrigkeitsanzeigen auf, weil sie gegen die Infektionsschutzverordnung verstoßen hatten.

Die evangelische und die katholische Kirche in Berlin und Brandenburg verurteilten unterdessen Angriffe auf jüdische Einrichtungen in Deutschland als „unerträglich“. Es sei nicht hinnehmbar, dass Synagogen und jüdische Einrichtungen bedroht, verunglimpft und angegriffen würden, erklärten der evangelische Landesbischof Christian Stäblein und der katholische Erzbischof Heiner Koch gemeinsam.