„Hochverrat“: Iranischer Fußballer Nasr-Azadani zum Tode verurteilt

Dem iranischen Sportler wird „Kriegsführung gegen Gott“ vorgeworfen. Er hatte an den systemkritischen Protesten teilgenommen.

Ein Mann schaut sich den Tweet der Internationalen Föderation der Profifußballer (FIFPro) an, in dem es heißt, dass der iranische Fußballer Amir Nasr-Azadani zum Tode verurteilt wurde.
Ein Mann schaut sich den Tweet der Internationalen Föderation der Profifußballer (FIFPro) an, in dem es heißt, dass der iranische Fußballer Amir Nasr-Azadani zum Tode verurteilt wurde.AFP

Im Zusammenhang mit den seit fast drei Monaten andauernden Protesten im Iran soll auch Fußballprofi Amir-Resa Nasr-Azadani auf der Todesliste der Justizbehörde stehen. Nach Angaben der internationalen Spielergewerkschaft FIFPro wurde der derzeit vereinslose Sportler in seiner Heimat offenbar zum Tode verurteilt. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Demnach sei Nasr-Azadani bei Unruhen am 18. November verhaftet und wenig später des „Hochverrats“ beschuldigt worden.

Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasmin wird dem 26-Jährigen vorgeworfen, im Zuge der nationalen Proteste Teil einer bewaffneten und organisierten Gruppe gewesen zu sein, die für den Tod von drei Sicherheitskräften verantwortlich sein soll. Dies wurde zwar am Dienstag von den Staatsmedien dementiert, aber dem 26-Jährigen wurde von einem Gericht „Kriegsführung gegen Gott“ vorgeworfen. Gemäß islamischer Rechtsauffassung steht auf diese Anklage das Todesurteil. 

Fußballprofis und Spielergewerkschaft sind empört

Die FIFPro zeigte sich empört über die Verurteilung. „FIFPro ist schockiert und betroffen von den Berichten, dass dem Profifußballer Amir Nasr-Azadani im Iran die Hinrichtung droht, nachdem er sich für die Rechte der Frauen und grundlegende Freiheiten in seinem Land eingesetzt hat“, schrieb die Gewerkschaft.

Auch die ehemaligen iranischen Bundesligaprofis Ali Karimi und Mehdi Mahdavikia hatten sich besorgt über das Urteil gezeigt und die Rücknahme der Hinrichtung gefordert. Beide setzten sich in den letzten Monaten gegen die Unterdrückung von Demonstranten ein. Auch andere Spieler wie der kolumbianische Fußballstar Radamel Falcao zeigten sich in den sozialen Netzwerken bestürzt.

Nasr-Azadani soll letzten Monat während einer Protestdemonstration in die Ermordung eines Polizeibeamten und zweier Sicherheitskräfte involviert gewesen sein. Nach Angaben ehemaliger Mitspieler passe diese Anklage ganz und gar nicht zu dessen Charakter und sei daher grundlos und absurd.

Nasr-Azadani unterbrach Karriere wegen Verletzung

Nasr-Azadani spielte in verschiedenen Vereinen in der ersten iranischen Liga und schaffte es auch in die U21-Nationalmannschaft. Wegen einer schweren Verletzung musste er seine aktive Karriere vor zwei Jahren unterbrechen und ist derzeit vereinslos. Wie Tausende von Iranern nahm auch er an den jüngsten systemkritischen Protesten teil und setzte sich für Frauenrechte und Demokratie im Land ein.

Der Iran ist Schauplatz von anhaltenden Protesten, seit die 22 Jahre alte Kurdin Mahsa Amini am 16. September in Polizeigewahrsam zu Tode gekommen ist. Die Frau war von der sogenannten Sittenpolizei wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Kleiderordnung des Landes festgenommen worden.

Bei der WM in Katar hatten die Spieler der iranischen Nationalmannschaft für Aufsehen gesorgt, als sie vor dem ersten Gruppenspiel gegen England (2:6) die Hymne nicht mitgesungen hatten und damit ein Zeichen der Solidarität an die Regimekritiker sendeten. Vor den folgenden Partien sangen die Spieler dann aber mit.